| |
hiesigen Universität inne hat, .. eher noch, daß der schlaue Rabbi
ihm seine eigenen ehrgeizigen Pläne untergeschoben hat.
Wie dem auch sei, Tatsache, unumstößliche Tatsache ist, daß der
Professor schuldig befunden wird, an jenen letzten, äußersten,
ungeheuren Dingen Verrat geübt zu haben, daß jede Brücke
zwischen beiden Kreisen abgebrochen wurde und Hallwig erklärt
hat, die Konsequenzen daraus würden sich schon von selber
ergeben.
16
Furchtbare Worte, Briefe und Blicke sollen zwischen den beiden
gewechselt worden sein. Aber darüber sind natürlich keine
Einzelheiten bekannt, sondern es dringen nur vage Gerüchte an die
Öffentlichkeit, auch über Delius' letzten Besuch im Hause Hofmann,
.. kurz darauf habe er in einem zeremoniellen Handschreiben jede
weitere Beziehung für gelöst erklärt. Das Schreiben war in
altrömischen Lettern auf Pergament gemalt und mit einer purpurnen
Schnur umwunden, an welcher ein umfangreiches Wachssiegel
hing. Überreicht wurde es durch einen Soldaten, den Delius sich in
Ermangelung eines römischen Söldners aus der städtischen
Kaserne geholt hatte. Es heißt auch, der Vorfall mit der Lampe sei
noch einmal zur Sprache gekommen, die Frau Professor sei zwar
bei ihrer Behauptung geblieben, daß sie nur die Ölflecken
gefürchtet habe, Delins aber fasse die Sache nach wie vor von
kosmischen Gesichtspunkten aus auf.
Ich hörte denn auch sagen, abgesehen von allem anderen wäre die
Art, wie dort der Meister geehrt wird, schon lange ein Punkt
gewesen, über den man sich nicht einigen konnte. Hallwig und
Delius wollten nur Götter und Mysterien so geehrt wissen, nicht aber
einen sterblichen Dichter, selbst wenn er noch so würdig sei, bei
Festen oder kultlichen Handlungen voranzuschreiten, .. es dürfe
sich dennoch keiner vermessen, in Wahnmoching der Erste sein zu
wollen. Und auch das soll Hofmann heimlich angestrebt haben,
wenn auch nicht für sich, sondern eben für den Meister.
.. Wer recht, wer unrecht hat, was in diesem Labyrinth von
Konflikten billig oder unbillig ist, .. wer wollte das ergründen? Man
hat ja auch, wie mir der Philosoph einmal sagte, in Wahnmoching
von jeher das Licht der Vernunft verschmäht und ein mystisches
Dunkel vorgezogen.
Die Beunruhigung der Gemüter ist aufs höchste gestiegen. Bleich
und verstört sieht man den Professor umhergehen, verängstigt,
aber immer noch mit dem fanatischen Blick die Jadwiga, finster den
Rabbi und wehklagend die Kappadozierin. Hallwig selbst bleibt wie
immer unsichtbar, aber ich begegnete verschiedentlich Delius auf
dem Wege nach seiner Wohnung, die jenseits der kosmischen
|  |
|
| |
|
|