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Eine Woche später im Eckhaus
Wenn Willy recht hatte .. wenn ich zu spät gekommen bin .. ich
komme ja immer zu spät oder zur unrechten Zeit, .. bei den Frauen,
bei allem möglichen...
Es ist kein besonders freundlicher Stern, der über meiner
Biographie waltet, das weiß ich längst, und doch erscheint es mir
unfaßlich, daß die Götter Wahnmochings Untergang beschlossen
haben, nur damit sich meine Biographie vollendet .. nur damit ich
auch dieses Mal zu spät komme, .. gerade da, wo mein größtes
Erleben .. Miterleben .. sich erfüllen sollte. Aber auch Willy sagt ja,
daß man noch auf Zeichen und Wunder hofft.
Das Zeichen und Wunder eben steht bei Hallwig .. ach, ich
wiederhole mich beständig und verwirre mich immer mehr, trotzdem
all mein Streben nur nach Klarheit geht.
Ich bin hier geblieben, ich bleibe vielleicht noch lange hier .. denn
Susanna und Maria haben mich darum gebeten...
So hause ich hier unten in dem großen Gastzimmer, und meine
Biographie verwächst immer inniger mit der des Eckhauses.
Meine Gegenwart sei ihnen so tröstlich, sagten die Mädchen. ..
Gerade die matte neutrale Note, die mir eigen ist, und daß mir
trotzdem immer das Herz weh tut. Das haben sie gern, und ich
selbst weiß mir wohl nichts Besseres, als um diese Frauen zu sein,
die mich milde zu meinem eigentlichen Wesen verurteilen.
Orlonsky ist zurückgekommen, das Interieur wiederhergestellt, nur
geht das Leben etwas stiller als vorher, .. Besuche kommen und
gehen .. wir selbst kommen und gehen, aber die laute Freude und
sorglose Unruhe scheint etwas gedämpft. Und draußen weht
Frühlingswind.
10. März
Mit Maria bei Hofmanns. Es war kein Jour, und wir trafen nur zwei
Gäste dort. Aber diese zwei sind in unserem Stadtteil eine seltene
und auffallende Erscheinung, .. eine junge Polin mit flammend
rotem Haar und bleichem fanatischem Gesicht, sie nennt sich
Jadwiga, und ihr Begleiter ist ein Rabbi von der deutschen
Ostgrenze. Wir haben sie im Karneval kennen gelernt, ich glaube,
es war die Kappadozische, die sie entdeckt und in Wahnmoching
lanciert hat. Wieso und warum die beiden in das Faschingstreiben
gerieten, ist bisher unklar geblieben, denn eigentlich sind sie nur
unterwegs, um für den Zionismus Propaganda zu machen. Darüber
wurde auch an diesem Nachmittag viel gesprochen, und es war
nicht uninteressant, wie Jadwiga von dem Elend der israelitischen
Bevölkerung in ihrer Heimat erzählte.
Sie saß auf einem Schemel zu Füßen der Hausfrau und sprach
immer weiter von ihrer Kindheit; was sie erzählte, waren zum Teil
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