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Herrn Dames Aufzeichnungen

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ISBN: 3442373956   ISBN: 3442373956   ISBN: 3442373956   ISBN: 3442373956 
 
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Da war ein junger Mensch mit etwas zu langen Haaren, auffallend hohem Kragen und violetter Krawatte, die auf ungewöhnliche, aber immerhin ganz geschmackvolle Art geschlungen war. (Frau Susanna stieß den Philosophen an und raunte ihm zu, es sei wohl eine „kultliche“ Krawatte .. und der antwortete: Violett .. natürlich ist das kultlich.) Dieser junge Mensch also bezeichnete ihn ausschließlich als den Meister. Ich hatte bisher nur gehört, daß man in Bayreuth so redet, und es befremdete mich ein wenig. Überhaupt redete er mit einem Pathos, das mir im Kaffeehaus nicht ganz angebracht schien und sicher auch jenen „Meister“ unangenehm berühren würde, wenn er es zufällig hörte .. und war sichtlich verstimmt über einige Bemerkungen der anderen Herren, besonders des Philosophen, der sich etwas ironisch über Heldenverehrung und Personenkultus äußerte. Merkwürdige Dinge kamen da zur Sprache .. eine ältere Dame erzählte: man (anscheinend Mitglieder jenes Kreises) wäre bei einer Art Wahrsager .. einem sogenannten Psychometer .. gewesen, und es sei unbegreiflich, wie dieser Mann durch bloßes Befühlen von Gegenständen den Charakter und das Schicksal ihrer Besitzer zu erkennen wisse .. ja, bei Verstorbenen sogar die Todesart. „Es ist ganz ausgeschlossen,“ so sagte sie, „daß er über irgend etwas Persönliches im voraus orientiert sein konnte und...“ „Aber Sie müssen doch zugeben, daß er manchmal versagt,“ fiel der Dichter mit der violetten Krawatte ihr ins Wort... „in bezug auf den Meister hat er sich schwer geirrt. Und gerade das ist sehr interessant und bedeutungsvoll, denn es zeigte deutlich, daß er die Substanz des Meisters wohl fühlte, nicht aber beurteilen konnte .. ..“ “Wieso?“ fragte einer von den Herren, der nicht dabei gewesen war. Der Dichter maß ihn mit einem überlegenen Blick und wandte sich wieder an die Dame, die zuerst gesprochen hatte: „Sie haben es ja selbst gehört .. er bezeichnete sie als unecht und theatralisch .. und weshalb .. weil er eben nicht ahnte, um wen es sich hier handelt .. weil er sich die hier verwirklichte Größe aus seinem engen Gesichtskreis heraus nicht vorstellen konnte. So half er sich mit der These des Theatralischen darüber hinweg. .. Für uns nur wieder eine neue Bestätigung, wie wenige der Erkenntnis des einzig und wahrhaft Großen würdig sind.“ Die Dame hatte beide Ellbogen auf den Tisch gestützt und hörte mit leuchtendem Blick zu: „Ja, ja, so ist's, wir fühlten es ja auch alle .. aber wie klar und schön Sie es jetzt ausgelegt haben.“ „Es ist so klar, daß es kaum noch einer Auslegung bedurfte .. zudem hatte der Meister den bewußten Ring erst seit einem Jahr getragen, und seine Substanz war zweifellos noch mit fremden früheren Substanzen gemischt .. das mußte die Beurteilung bedeutend erschweren.“
  
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