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würden. Dann hat er gesagt, jeder Mensch habe nun einmal seine
Biographie, der er nachleben müsse. Es käme nur darauf an, das
richtig zu verstehen .. man müsse selbst fühlen, was in die
Biographie hineingehört und sich ihr anpaßt .. alles andere solle
man ja beiseite lassen oder vermeiden.
7. Dezember
Darüber habe ich dieser Tage viel nachgedacht. Heute hätte ich
gerne wieder Dr. Gerhard getroffen und das neuliche Gespräch mit
ihm fortgesetzt. Aber es saß diesmal eine ganze Gesellschaft mit
am Tisch. Unangenehm, daß man beim Vorstellen nie die Namen
versteht .. das heißt, meinen haben sie natürlich alle verstanden ..
mein Verhängnis .. er ist so deutlich und bleibt haften, weil man sich
über ihn wundert. Ich habe diese junge Frau beneidet, die neben
Gerhard saß, weil man sie nur Susanna oder gnädige Frau
anredete.
Du lieber Gott, ich werde ja nicht einmal heiraten können, wenn ich
gerne wollte. Wie könnte man einem Mädchen zumuten, Frau Dame
zu heißen...? Und dann daneben zu sitzen, das mitanzuhören und
selbst .. nein, diese Reihe von Unmöglichkeiten ist nicht
auszudenken.
Ich weiß nicht, wie es kam, daß ich dieser Susanna oder gnädigen
Frau .. wie ich sie natürlich anreden mußte, meine quälenden
Vorstellungen anvertraute. Sie hat nicht einmal gelacht .. doch .. sie
hat schon etwas gelacht, aber sie begriff auch die elende Tragik.
Es kam später noch ein Herr an den Tisch, den man mir als Doktor
Sendt vorstellte. Er ist Philosoph und macht einen äußerst
intelligenten Eindruck. Mir schien auch, daß er eine gewisse
Sympathie für mich fühlte.
Man hat sich dann sehr lebhaft unterhalten .. ich konnte manchmal
nicht recht folgen .. Doktor Sendt merkte es jedesmal, zog dann die
Augenbrauen in die Höhe, sah mich mit seinen scharfen hellblauen
Augen an und erklärte mir in klarer, pointierter Ausdrucksweise, um
was es sich handle.
Ich möchte gerne mehr mit ihm verkehren; mir ist, als könnte ich viel
von ihm lernen. Und eben das scheint mir hier eine zwingende
Notwendigkeit.
Zuletzt sprachen sie viel von einem literarischen Kreise, um den es
etwas ganz Besonderes sein muß. Dabei entspannen sich starke
Meinungsverschiedenheiten. Bei diesem Gespräch hörte ich nur zu,
ich mochte nicht immer wieder Fragen stellen, um so mehr, weil
allerhand Persönliches berührt wurde und ich nicht gerne indiskret
erscheinen wollte.
Übrigens genierte ich mich auch etwas, weil der Dichter, der den
Mittelpunkt jenes Kreises bilden soll, mir ziemlich unbekannt war.
Seinen Namen kannte ich wohl, aber von seinen Werken so gut wie
nichts.
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