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Sie finden hier, verehrter Gönner und Freund, aus Herrn Dames
eigenem Munde die Bestätigung unserer Wir-Theorie, auf die wir
auch in unserem Begleitschreiben Bezug nahmen. Wäre dieser
liebenswerte junge Mann in der Lage gewesen, im Plural zu denken
und zu erleben, so möchte vielleicht seine Biographie sich leichter
und freundlicher gestaltet und weniger auf ihm gelastet haben. Im
Unterbewußtsein hat er das wohl auch dunkel gefühlt; das scheint
uns wenigstens aus seiner Beziehung zu dem Diener Chamotte
hervorzugehen.
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Ein Morgenbesuch bei Adrian. Er wohnt in einem großen Atelier und
ist sehr hübsch eingerichtet. Als ich kam, saß er in einem
persischen Kaftan an einem zierlich gedeckten Tischchen und nahm
ein hygienisches Frühstück ein. Er sagte, daß er nachher zwei bis
drei Stunden zu arbeiten pflege, nur jetzt im Karneval sei das
natürlich nicht ganz durchzuführen. Wir rauchten
Haschischzigaretten und unterhielten uns über Wahnmoching. Ich
glaube, Adrian ist, was man einen Causeur nennt, man kann sonst
eigentlich nicht über Wahnmoching plaudern und tut es auch nicht,
aber Adrian kann es. Trotzdem ist auch er der Ansicht, daß hier
große Dinge in der Luft liegen, und jeder, der irgendwelches
Streben in sich fühle, müsse sich solchen Bewegungen unbedingt
anschließen.
Ich bitte Sie, Monsieur Dame, wir haben wieder gelernt, dionysisch
zu empfinden, .. wer hätte das vor zehn oder zwanzig Jahren für
möglich gehalten? Bei dem Fest neulich, .. haben Sie gesehen, wie
der Professor raste, wie der Taumel ihn blendete, so daß er in den
scheinbar häßlichsten Frauen wunderbare Schönheit erblickte? Er
hat so viel Eros, daß ihm jede Lebensäußerung, jede Form, in der
das Leben sich darstellt, etwas Vollendetes bedeutet. So wurde
zum Beispiel einmal von jemand gesagt, er sei sehr unschön, ja
geradezu garstig. Hofmann besann sich einen Augenblick und
sagte dann: Ja, gewiß, er ist wundervoll garstig. .. Von Ihnen ist er
übrigens ganz entzückt, er sagte mir, es wäre ganz unglaublich, wie
blasiert und gelangweilt Sie manchmal aussehen könnten. (Ich
empfand das nicht gerade als Kompliment, aber es war entschieden
so gemeint.)
Und die Frauen, fuhr Adrian mit einem süffisanten Lächeln fort,
unsere Frauen wollen wieder Hetären sein .. es ist gar nicht zu
sagen, welche Umgestaltungen das gesellige Leben dadurch noch
erfahren wird. In erster Linie natürlich auf erotischem Gebiet, aber
selbstverständlich bezieht sich das nicht nur auf die Frauen .. die
Beschränkung der Erotik auf das eine oder andere Geschlecht ist ja
überhaupt eine unerhörte Einseitigkeit. Der vollkommene Mensch
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