| |
Wissen Sie .. ich habe schon einmal hier geschlafen, .. wenn ich
meine Schlüssel vergessen oder mich verspätet hatte. Ein oder das
andere Fenster ist immer offen, und die Eckhäusler wundern sich
nie, wenn sie morgens irgendeinen Bekannten vorfinden ..
besonders im Karneval,.. es ist wirklich ein gastfreies Haus ..
Ich konnte noch lange nicht einschlafen, der Mond schien gerade
ins Fenster, und der schwarze Frack hing so gespenstisch über die
Stuhllehne, daß ich jeden Augenblick emporfuhr und meinte, es
stände jemand vor mir. Ich dachte noch über Maria nach .. es ist
soviel Verhängnis um sie, .. da tobt sie nun heute nacht mit dem
Sonnenknaben und den Enormen, und vielleicht liebt sie auch den
Mann, der dort drüben schläft. Und morgen liegt sie selbst wieder
hier auf dem Diwan, und wir unterhalten uns müde über unsere
Biographien. Wir verstehen uns, wie nur zwei Verurteilte sich
verstehen können .. eine andere Liebe ist nicht zwischen uns.
Hallwig nennt so etwas den Eros der Ferne .. hat Maria mir gesagt ..
früher hätte ich das überhaupt nicht verstanden und mir nichts
darunter vorstellen können.
Als ich aufwachte, war der Frack fort und sein Besitzer
verschwunden. Susanna stand am Tisch und betrachtete sinnend
ein Paar weiße Glacéhandschuhe, die er anscheinend vergessen
hatte. Dann lächelte sie mich an:
Lieber Dame, kommen Sie doch mit zum Frühstück hinauf, wir
haben ein paar Leute mitgebracht.
Es ist sieben Uhr morgens. Sie sind eben erst heimgekommen .. die
ganze Küche voll kostümierter Gestalten. Ich weiß nicht, ob ich
wache oder träume. Man sitzt bei Lampenlicht um den
Frühstückstisch, die Mädchen haben Kränze auf dem Kopf, sehen
blaß und glücklich aus.
Susanna legt die weißen Handschuhe vor Maria hin:
Gilt das mir, oder gilt es dir?
Sie flüstern zusammen, dann fragt Susanna:
Sie .. Monsieur Dame, wie hat er denn ausgesehen?
Ich versuche ihn zu beschreiben: Schlank .. mittelgroß .. das
Gesicht hab' ich nicht deutlich sehen können, da es halbdunkel war.
.. Aber ich besinne mich, daß er Maria abholen wollte.
O, dann war es Georg, sagt Susanna, die Handschuhe sind
deine, Maria...
Die beiden sehen sich an und lächeln .. dies Lächeln, dieser Blick
ist absolut heidnisch .. bei Susanna vielleicht noch mehr. Hinter
ihrem Lächeln ist nie ein Schmerz oder eine Zerrissenheit ..
Susanna kann selbst aus meinem Herzen alle Nebel und alles
Dunkel hinweglächeln .. wenn sie mich ansieht wie an diesem
Morgen .. Ich kann nicht anders, ich muß ihnen beiden die Hände
küssen.
|  |
|
| |
|
|