| |
Wie sie das aushalten, ist mir ein Rätsel; ich war schon nach zwei
Tagen ganz gebrochen und kam ins Lazarett, wie sie das nennen.
Dies alte Haus ist merkwürdig und geräumig gebaut. Oben die
große Küche ist zugleich der gemeinsame Salon, daneben liegen
Willys Zimmer, und im Seitenflügel wohnt Susanna mit dem
rätselhaften Kind .. es sieht niemand von den dreien ähnlich, aber
es muß doch irgendwie zu ihnen gehören. Unten im Parterre hat
Orlonsky sein Reich, und neben dem großen Flur, durch den man
hereinkommt, gibt es noch eine Reihe von halbdunkeln Zimmern,
wo die Gäste untergebracht werden. Orlonsky hat es dort mit vielen
Diwanen, Polstern und anderen Lagerstätten etwas phantastisch,
aber sehr gemütlich hergerichtet, das Ganze gleicht etwas einer
Herberge, wo die müden Freunde des Hauses sich ausruhen und
erholen können. Mit dem Ausruhen war es allerdings manchmal
nicht weit her, aber ich bin jetzt schon daran gewöhnt, mich über
nichts mehr zu wundern.
Als ich das erstemal dort schlief, wurde mitten in der Nacht das
Fenster von außen geöffnet, und jemand rief ein paarmal leise:
Maria .. dann stieg er hinein Es war eine Mondnacht, und ich sah
einen jungen Mann in Frack und Zylinder vor mir stehen, seinen
Mantel trug er über dem Arm. Ich hielt es für angemessen, ihm zu
sagen. Maria sei nicht hier.
Entschuldigen Sie, mit wem habe ich das Vergnügen?
Dame .. ich heiße Dame.
Darauf stellte er sich ebenfalls vor und sagte, es freue ihn
ungemein, mich kennen zu lernen .. er hätte Maria zum bal-paré
abholen wollen .. schade .. aber vielleicht käme ich mit? .. es sei
eben erst Mitternacht vorbei und immer noch Zeit genug .. ich nahm
alle meine Widerstandskraft zusammen und erklärte ihm, ich wäre
wirklich zu müde.
Müde? .. o das geht vorbei, sowie man dort ist...
Aber ich war die vorigen zwei Nächte aus ..
Und da wollen Sie wirklich schlafen?
Er stand regungslos da, vor meinem Bett, wie eine schmale,
schwarze Silhouette, und schien ganz in Erstaunen versunken.
Wissen Sie, wo Maria heute ist? fragte er dann.
Mit Herrn Konstantin auf einem Atelierfest.
O .. gewiß wieder so eine bacchantische Wahnmochingerei, sagte
er bedauernd .. da kann ich im Frack nicht hingehen. Im Frack
kann man nicht dionysisch taumeln, .. sehen Sie, Herr Dame,
deshalb paßt das auch nicht in unsere Zeit. .. Was hab' ich davon,
wenn ich abends dionysisch herumrase .. mir wie ein Halbgott
vorkomme und am nächsten Morgen doch wieder mit der Trambahn
in mein Bureau fahren muß, ich bin nämlich Rechtspraktikant? .. Ich
weiß nicht, wie die Leute sich damit arrangieren. Es wird deshalb
auch nie etwas Rechtes daraus. .. Sie erlauben, .. er stellte
|  |
|
| |
|
|