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Herrn Dames Aufzeichnungen

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„Aber Lotte!“ .. fuhr ihr Gatte mit einem strafenden Blick dazwischen, und sie hielt inne. Delius war ganz in seine Gedanken versunken, er stand da, wiegte langsam den Kopf hin und her, nahm einen Schluck Tee und sprach noch einmal dumpf vor sich hin: „Ja, das sind allerdings sehr geheimnisvolle Dinge.“ Dann ergriff wieder die kappadozische Dame das Wort .. der Professor wanderte derweil unruhig hin und her, und es machte den Eindruck, als ob er sie gerne daran gehindert hätte. „Ich glaube, ich verstehe jetzt, was Sie damit sagen wollen, aber meinen Sie, daß Luther wirklich ein Jude war oder haben Sie sich nur bildlich ausgedrückt?“ „Nun, .. mancher ist ein Jude, ohne es zu wissen,“ sagte Delius monoton und abwesend. „Und mancher andere ist keiner, obwohl er dafür gilt,“ bemerkte ein schlanker, schwarzer junger Mann, der neben mir stand. „Gewiß, gewiß, ich will nicht leugnen, daß auch dieses vorkommen kann,“ antwortete Delius kurz. Die Frau des Hauses flüsterte indessen mit dem Maler, er raffte seine Blätter zusammen und verschwand in dem dritten Zimmer. Der Professor zog einige Jünglinge hinter sich her und folgte ihm. Delius war immer noch apathisch und in Gedanken verloren stehen geblieben, der Philosoph suchte nun wieder irgendeine Unterhaltung in Gang zu bringen und sprach von seiner Sommerreise in Italien. Übrigens war auch Maria inzwischen erschienen und gesellte sich zu uns, man gruppierte sich um einen kleinen Tisch, und Sendt erzählte, wie er an einem heißen Tage auf Capri alleine auf den Hügeln umherwanderte, wo sich die Ruinen von dem Schloß des Tiberius befinden. Die Landschaft sei im Mittagssonnenlicht wie verzaubert dagelegen, und plötzlich hätte ein kleiner weißhaariger Mann neben ihm gestanden, der aus den Ruinen hervorgekommen sein mußte .. er trug einen merkwürdigen Mantel und sein bartloses Gesicht zeigte ein ausgesprochen römisches Profil .. Delius begann aufzuhorchen .. „Er hatte eine Blume in der Hand,“ erzählte Sendt weiter, „und reichte sie mir, wünschte mir guten Tag und verschwand, ohne ein weiteres Wort zu sagen, wieder in dem Gemäuer dicht neben mir, nachdem ich ihm noch einen Obolus in die Hand gedrückt hatte.“ Delius erkundigte sich eifrig nach dem Schnitt des Mantels, .. ob es nicht vielleicht ein römisches Obergewand gewesen sein könnte? „Und die Blume .. war es nicht eine kleine, blaue Sternblume?“ „Ja, das stimmt wirklich,“ antwortete der Philosoph. „Nun, so ist es zweifellos jene Blume gewesen, welche Tiberius seinerzeit aus Persien mitgebracht und in seinen Gärten angepflanzt hat.“
  
Die zehn besten Tage meines Lebens: Roman
von Adena Halpern,
Ursula C. Sturm
Siehe auch:
Wünsch dir was: Roman
Die Wunschliste
Wo immer du sein magst
Von nun an für immer
Regenbogenträume: Roman
So was wie Liebe
 
   
 
     
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