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14. Januar
Heute .. gestern .. vorgestern .. ich muß mich erst wieder besinnen,
wie die Tage sich folgten.
Mittwoch war das Fest, und am Donnerstag nach Tisch machte ich
mich noch ziemlich schläfrig auf den Weg, um der freundlichen
Einladung des Philosophen zu folgen. Unterwegs fiel mir ein, daß
bei Hofmanns Jour war und ich wohl auch dorthin gehen müsse.
Frau Hofmann hatte mir gesagt, es werde heute wahrscheinlich
Delius kommen, und ich sollte ja nicht versäumen, ihn persönlich
kennen zu lernen. Er sei eine der bedeutendsten Erscheinungen
des heutigen Deutschlands .. ich glaube sogar, sie sagte
Germaniens, und mir ist nicht recht klar, wie sich das mit seiner
römischen Substanz vereinigen läßt.
So bat ich Sendt, nach einer angenehmen, friedlichen Teestunde,
ob er nicht mitgehen wolle. Er zeigte sich nicht sehr aufgelegt,
entschloß sich aber endlich doch.
Als wir kamen, stand ein großer Teil der Gesellschaft im ersten
Zimmer um den Tisch versammelt. Ein Maler, der dem Kreis
angehört und dort sehr geschätzt wird, hatte Zeichnungen
mitgebracht, und man betrachtete, bewunderte und belobte sie. Da
war ein Bild des Meisters (über dieses wurde nicht laut gesprochen,
man vernahm nur von Zeit zu Zeit ein ehrfürchtiges Murmeln oder
gedämpftes: wirklich fabelhaft! .. ungeheuer!) ferner verschiedene
frühere Dichter und historische Persönlichkeiten: Schiller, Goethe,
Luther und andere. Den Maler halte ich nicht für sehr talentvoll, ..
die Blätter hatten alle dasselbe längliche Format, und sämtliche
Köpfe waren so groß, daß sie irgendwo beinah oder ganz an den
Rahmen anstießen. Zudem kam es mir befremdlich vor, daß er die
verschiedenen großen Toten so ganz einfach porträtiert, als ob sie
ihm gesessen hätten. Es gibt doch genug authentische Bilder von
ihnen, die mehr Wahrscheinlichkeit besitzen.
Der Philosoph stand neben mir, sagte manchmal hm .. hm .., und
ich wollte ihn gerade um seine Meinung befragen, da ging die Tür
auf, und Delius trat herein. Er verneigte sich nach verschiedenen
Seiten mit demselben Wechsel zwischen konventionellem Lächeln
und plötzlicher Starrheit, den ich damals auf der Straße an ihm
beobachtete, dann trat er auf den Tisch zu, warf einen Blick auf die
Zeichnungen, betrachtete scharf und flüchtig das Porträt Luthers
und wandte sich in liebenswürdig anerkennendem Ton an den
danebenstehenden Maler:
Nun, Herr Bender, ich sehe hier ein überaus wohlgelungenes
Bildnis .. (ringsum entstand eine erwartungsvolle Pause, und nun
fuhr er plötzlich beinah drohend fort:) .. von jenem infamen Mönch,
der uns um die schönsten Früchte der Renaissance betrogen hat ..
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