| |
darum, sie sprangen auf ihre eigene Weise, und die kappadozische
Dame war ganz entzückt und sagte, das sei dionysisch. Adrian teilte
ihre Begeisterung und erklärte, er würde nächstens auf seinem
Atelier eine Satansmesse veranstalten, ob ich nicht auch kommen
wollte, .. ich meinte etwas kleinlaut, daß ich noch nicht genug von
Magie verstände...
Oh, ich kann Ihnen ein Buch darüber leihen. .. Ja .. übrigens weiß
ich doch nicht recht .. ob eine Satansmesse das Richtige wäre, aber
eine Orgie .. eine panerotische Orgie .. was meinen Sie dazu,
gnädiges Fräulein?
Susanna trat mich so energisch auf den Fuß, daß ich unwillkürlich
stöhnte .. ich hatte nur Sandalen an. Und Adrian wandte sich rasch
nach mir um:
Sie scheinen das nicht recht zu billigen, Monsieur Dame .. aber
warum nicht? Sind wir nicht ebenso berechtigt, Orgien zu feiern, wie
die alten Römer und Griechen? Ich dachte, gerade Sie mit ihrem
jungen Sklaven müßten Sinn dafür haben .. dabei warf er mir einen
verständnisvollen Blick zu, über dessen Bedeutung ich mir nicht
recht klar war. (Chamotte stand den ganzen Abend hinter mir oder
Susanna und bediente uns.)
Wieder trat Susanna mich auf den Fuß und sagte: Der Meister ist
auch da .. sehen Sie, dort geht er mit einem seiner Adoranten; daß
er auf ein Fest geht, ist ein Ereignis.
Sie hatte leise gesprochen, aber Frau Hofmann mußte es doch
aufgefangen haben, denn sie sagte lächelnd:
Liebe Susanna, Sie irren sich .. er ist nicht hier. Der Herr, den Sie
meinen, hat nur seine Maske gemacht .. aber wirklich täuschend,
nicht wahr?
Frau Professor, antwortete Susanna, und ich bewunderte ihren
Mut, ich bin beim Theater gewesen und gehe jede Wette ein, daß
es keine Maske ist ..
Ach, was ist Theater? beharrte Frau Hofmann immer noch
lächelnd, aber wie Märtyrer unter Foltern lächeln .. ich kann Sie
versichern, daß er es nicht ist.
Der so Umstrittene befand sich ziemlich in unserer Nähe, und ich
mußte Susanna recht geben .. das konnte keine Maske sein. Und
es lag etwas in seiner Erscheinung, was mir großen Eindruck
machte.
Warum will man denn nicht zugeben, daß er es ist? fragte ich
nachher, als wir eine Weile allein saßen.
Weil gewöhnliche Sterbliche nicht wissen dürfen, daß er wirklich
vorhanden ist.
Der Professor kam mit einer Dame, zog sie auf einen Stuhl nieder
und sagte bewundernd:
Ist sie nicht unglaublich schön?
|  |
|
| |
|
|