| |
Haltung beitragen und gehörte zu den vielen Hemmungen, über die
er sich beklagte. Wenn er sich vorstellte oder vorstellen ließ, wurde
er stets etwas unsicher und fügte jedesmal hinzu: .. Dame, ja .. ich
heiße nämlich Dame.
Wir fragten ihn einmal, weshalb er das täte .. der Name sei doch
nicht auffallender als viele andere, und er mache auf diese Weise
eigentlich die Leute selbst erst aufmerksam, daß sich eine
Seltsamkeit, sozusagen eine Art Naturspiel daraus konstruieren
lasse.
Er entgegnete trübe: Ja, das wisse er wohl, aber er könne nicht
anders, und es gehöre nun einmal zu seiner Biographie. (Diese
Bemerkung lernten wir erst später bei der Lektüre seiner
Aufzeichnungen verstehen.) Herr Dame war seinem Äußeren und
seinem Wesen nach durchaus der Typus: junger Mann aus guter
Familie und von sorgfältiger Erziehung mit einer Beimischung von
mattem Lebemannstum .. sehr matt und sehr äußerlich. Er wäre nie
ohne einwandfreie Bügelfalte auf die Straße gegangen, auch wenn
ihm das Herz noch so weh tat .. und das Herz muß ihm wohl oft
sehr weh getan haben. Die Grundnote seines Wesens war
überhaupt eine gewisse betrübte Nachdenklichkeit oder
nachdenkliche Trübsal, aber daneben liebte er Parfüms und schöne
Taschentücher.
Als wir ihn kennen lernten, war er schweigsam und verstört;
allmählich, besonders, wenn wir in den warmen Nächten an Deck
saßen, ging ihm immer das Herz auf, und er erzählte von sich selbst
und von seiner Biographie .. wie er längere Zeit unter
eigentümlichen Menschen gelebt und eigentümliche Dinge
mitangesehen und auch miterlebt habe. Schon von Haus aus habe
er einen dunklen Trieb in sich gefühlt, das Leben zu begreifen, und
da habe man ihn an jene Menschen gewiesen. Leider vergeblich,
denn er konnte es nun erst recht nicht begreifen, sondern sei völlig
verwirrt geworden und eben jetzt auf dem Wege, in fernen Ländern
Heilung und Genesen zu suchen.
Den Ort, wo sich das alles begeben hat, wollte er nicht gerne näher
bezeichnen .. er sagte nur, es sei nicht eigentlich eine Stadt,
sondern vielmehr ein Stadtteil gewesen .. der auch in seinen
Papieren oft und viel genannt wird. Wir konnten uns das nicht recht
vorstellen.
Er erzählte uns denn auch, daß er damals allerhand
niedergeschrieben habe, in der Absicht, vielleicht später einen
Roman oder ein Memoirenwerk daraus zu gestalten, und wir
interessierten uns lebhaft dafür.
So kam die Zeit heran, wo wir uns trennen mußten, denn die Reise
ging zu Ende. An einem der letzten Tage stieg Herr Dame müden
Schrittes in seine Kabine hinab und kam mit einem ansehnlichen
Paket beschriebener Hefte wieder, dann sagte er: wenn es uns
|  |
|
| |
|
|