| |
durchaus nichts Selbstverständliches wäre, sondern gerade das
Gegenteil. Aber gerade darin liegt wohl etwas, was reizt und anzieht
.. ich möchte ja selbst endlich einmal dahinter kommen, was es
eigentlich mit dem Leben auf sich hat .. ob es etwas ganz
Selbstverständliches oder etwas ungeheuer Kompliziertes ist.
Heinz zum Beispiel tut ja, als ob er hier in diesem sonderbaren
Stadtteil den Stein der Weisen gefunden hätte. Und mir ist, seit ich
hier bin, zumut, als ob ich nur in Rätseln sprechen höre und mich
zwischen lauter Rätseln bewege. Ich fühle mich ziemlich
unglücklich, und in meinem Kopf ist es wirr und dunkel.
Anmerkung
Hier sind mehrere Seiten herausgerissen, und statt dessen findet
sich eine Anzahl fast unleserlicher Zettel mit Bleistiftnotizen. Dann
folgt quer über die Seiten hingeschrieben ein Eintrag von
Frauenhand:
.. ich habe dieses Heft .. Ihr Tagebuch, wie es scheint, offen auf
dem Tisch gefunden und war so indiskret, etwas darin zu lesen. ..
Ja, Sie sind entschieden ein wundervoller Mensch.
Chamotte hat mich hereingelassen .. sicher hat er es auch gelesen,
denn er ist beunruhigt um Sie und beklagt sich, daß Sie in der
letzten Zeit so sonderbar wären. .. Ich habe es auch gemerkt und
fange an es zu begreifen. Aber .. du wirst mit deinem Singen .. doch
nicht zum Himmel dringen.
Gehen Sie deshalb lieber nicht wieder zum Jour, sondern kommen
Sie morgen mit mir auf die Elenden-Kirchweih. (Das ist ein Fest.) ..
Tout .. Wahnmoching wird sicher auch dort sein.
Halt .. ich kann mich im Moment nicht besinnen, ob Sie einen
Schnurrbart haben .. ich glaube, nein, er paßt entschieden nicht zu
Ihrer Biographie. Aber wenn ja, so lassen Sie ihn vorher beseitigen
.. er geht nicht zum Kostüm.
Also 7 Uhr abends im Eckhaus. (Chamotte weiß den Weg) ..
dreimal klingeln...
Susanna
Ach, diese Frau .. es ist wirklich nicht ganz diskret, in meinen
Sachen zu stöbern, wenn ich nicht zu Hause bin, und mir da mitten
hineinzuschreiben. Ich bin so ordentlich, daß es an Pedanterie
grenzt, und so etwas stört mich.
Ich habe Chamotte zur Rede gestellt .. Chamotte ist mein kleiner
Diener. Susanna hat ihn so getauft, weil sie seinen Namen nicht
behalten konnte und fand, er sähe aus, als ob er Chamotte hieße.
Er fühlte sich dadurch geehrt, er schwärmt für Susanna und
verteidigt sich .. na, es ist eine Schande .., aber er macht mir alles
nach, und wenn mir etwas nicht paßt, behauptet er einfach, er wäre
dazu verurteilt gewesen, es so zu machen. Aber der Bengel ist erst
sechzehn Jahre alt und wird dabei nie unverschämt. Und mir tut es
manchmal wohl, so eine Art zweites Ich zu haben, das intelligent
|  |
|
| |
|
|