| |
Herrn Dames Aufzeichnungen
oder
Begebenheiten aus einem merkwürdigen
Stadtteil
1
Verehrter Freund und Gönner!
Sie wissen ja .. Sie wissen genug darüber, wer Wir sind .. womit
wir uns unterhalten, und mit welchem Inhalt wir die uns
zugemessenen Erdentage zu erfüllen suchen. Sie wissen auch, wie
wir das Dasein je nachdem als ernste und schwerwiegende Sache ..
als heiteren Zeitvertreib, als absoluten Stumpfsinn oder auch als
recht schlechten Scherz hinzunehmen, aufzufassen und zu
gestalten pflegen.
Sie waren es, der von jeher das richtige Verständnis für unseren
Plural hatte .. für die große Vereinfachung und anderseits die
ungeheure Bereicherung des Lebens, die wir ihm verdanken. Wie
armselig, wie vereinzelt, wie prätentiös und peinlich unterstrichen
steht das erzählende oder erlebende Ich da .. wie reich und stark
dagegen das Wir.
Wir können in dem, was um uns ist, irgendwie aufgehen,
untergehen .. harmonisch damit verschmelzen. .. Ich springt immer
wieder heraus, schnell wieder empor, wie die kleinen Teufel in
Holzschachteln, die man auf dem Jahrmarkt kauft. Immer strebt es
nach Zusammenhängen .. und findet sie nicht. .. Wir brauchen
keinen Zusammenhang, .. wir sind selbst einer.
Die Sendung, die wir heute unserem Briefe beifügen, oder, richtiger,
der Inhalt eben dieser Sendung, ist wieder ein neuer Beweis dafür.
Denn dies alles, teurer Freund, den wir insgesamt gleich schätzen
und verehren, gilt nur als Vorrede einer Vorrede, die jetzt beginnen
und Ihnen zur Erläuterung beifolgender Dokumente dienen soll, ..
das heißt zur Erläuterung des Umstandes, daß wir eben diese
Dokumente in Ihre Hände legen und von Ihnen die Lösung
manches Rätsels erhoffen:
Mit den Papieren hat es nun folgende Bewandtnis:
Es mag etwa dreiviertel Jahr her sein, daß wir gelegentlich einer
Seereise einen jungen Menschen kennen lernten. Wir fanden ihn
sehr liebenswürdig und unterhielten uns gerne mit ihm. Es dauerte
allerdings einige Zeit, bis es so weit kam, denn er war zu Anfang
ungemein zurückhaltend und schien schwere seelische
Erschütterungen durchgemacht zu haben .. aber davon später.
Der junge Mann hieß mit dem Nachnamen: Dame .. also Herr Dame
.. dieser Umstand mochte wohl einiges zu seiner reservierten
|  |
|
| |
|
|