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Geschichte. Hätte ich ihm von Leon erzählt, so wäre alles zwischen
uns aus gewesen.
Gestern sprach ich mit der Dalwendt darüber - sie ist auch verlobt;
aber noch ganz unschuldig - aus Überzeugung, weil sie es so will.
Bei mir ist es immer nur, daß ich gezwungen bin oder mich zwingen
lasse, nach dem Empfinden eines andern zu handeln. Mir selbst
gegenüber habe ich nie das Gefühl, etwas einzubüßen - im
Gegenteil, mich drückt oft nur meine Tugend nieder, dies ewige
Vorbeigehen am Leben, und manchmal verlangt mich danach, mich
besinnungslos in den Strudel zu stürzen.
20. September
Heut haben wir den ganzen Abend in einer Schnapsschenke
gezeichnet - eine niedrige, verräucherte Gaststube, wo wahre
Banditengestalten an langen Tischen saßen, mit kleinen
Schnapskelchen aus dickem gelbem oder rotem Glas vor sich. Die
Strolche fühlten sich sehr geschmeichelt und sagten, wir sollten nur
bald wiederkommen.
Nachher an der Isarbrücke bis Mitternacht, dann allein an meinem
Fenster. Wie gut ist es, so allein zu leben - ob ich es wohl jemals
aushalte, mit jemand anderm immer zusammen zu sein? - Wie soll
das später werden? Auf alle Fälle bin ich entschlossen, erst in
mehreren Jahren zu heiraten, wenn wir denn durchaus heiraten
müssen. Nach meinem Gefühl wäre es viel schöner, nur hier und da
eine Zeit zusammenleben und dann jeder wieder seinen eignen
Weg gehen.
Ich möchte es immer so haben wie jetzt, nur ans Malen denken und
alles tun, was mir einfällt.
30. September
Morgen fängt die Malschule an, ich bin in dieselbe eingetreten wie
die Dalwendt - für den Nachmittag gehen wir in eine andre zum
Modellieren. Der Auszug aus unserm Atelier ging mit Hindernissen
vor sich; die andern hatten schon tags vorher ihre Sachen holen
lassen, und die Dalwendt und ich standen ratlos vor einer Horde
von Dienstmännern und Modellen, die alle Geld haben wollten.
Schließlich luden wir unsre Staffeleien und Modellierböcke selbst
auf und trugen sie fort.
Wie es mit dem Geld gehen soll, weiß ich überhaupt noch nicht. Bei
all den Anschaffungen und dem doppelten Schulgeld bleibt mir zum
Leben fast nichts übrig. Ich habe heute alles ausgerechnet, für
Kleider, Schuhe, Essen, Trinken und was sonst zum täglichen Brot
gehört. Es ist nicht viel.
4. Oktober
Unser jetziges Atelier ist ein 'gemischtes', Maler und Malerinnen
zusammen. Außer uns noch einige Amerikaner, Polen und ein
früherer Offizier, von Baldern. Der, die Dalwendt und ich finden uns
in den Pausen als Rauchkollegium zusammen. - Von acht bis elf
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