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über sie haben. Manchmal konnte sie es aber nicht lassen,
absichtlich falsch zu treten, um ihn herauszufordern, und dann
berauschte sie sich an ihrem schlechten Gewissen - wenn Mama
und die andern wüßten, daß sie sich dem Teufel verschrieben hatte
und er jeden Augenblick kommen konnte, sie zu holen.
Ein Jahr später kam Ellen am Weihnachtsabend zum erstenmal mit
in die Kirche, und nun gab es eine große Umwälzung in ihrem
Innern.
Der schmucklose weiße Raum mit dem blaugemalten
Sternenhimmel und den zwei brennenden Christbäumen neben
dem Altar kam ihr unsagbar schön vor. Auf der vergoldeten Kanzel
stand der Propst mit seiner mächtigen, kahlen Stirn und der tiefen
Friedensstimme: Siehe, ich verkündige euch große Freude, die
allem Volke widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland
geboren!
Ellen war geblendet und überwältigt, es schien ihr, daß der liebe
Gott selbst da oben stände und zu ihr redete, und als ob sie ihn
vorher noch gar nicht gekannt hätte. Und jetzt mit einemmal glaubte
sie an Gott, glaubte an das Wunder: der Heiland war auch für sie
geboren, um sie zu erlösen von der finstern Macht der Sünde.
Als der Propst von der Kanzel verschwand, war sie ganz
unglücklich. Aber dann erschien er wieder vor dem Altar und sagte
etwas, die Orgel setzte ein, und der Chor antwortete. Musik hatte
Ellen fast noch nie gehört, und es kam ihr vor wie Engelsstimmen,
die aus dem Himmel herabtönten.
Als sie hinter der Mutter aus der Kirche ging, sah sie sich noch
einmal um; ihr war, als ob der liebe Gott da drinnen in all dem
Lichterglanz zurückbliebe. Dann der Heimweg durch die schmalen
Straßen und die lange Kastanienallee, die nach Nevershuus führte -
hinter den erleuchteten Gangfenstern sah man die Dienstboten eilig
hin und her laufen. Die Eltern verschwanden gleich in den grünen
Saal, um die Lichter anzuzünden. Oben in Mariannes Zimmer
warteten die Geschwister im Dunkeln. Die Stühle wurden dicht an
die Tür geschoben, damit man rasch hinunter könnte, wenn es
klingelte. Leise sprachen sie von Kai, nun waren es schon vier
Jahre, daß er unter ihnen fehlte, und sie dachten daran, wie lustig
der große, blasse Bruder an solchen Tagen gewesen war.
Endlich wurde geschellt, und nun stürzten sie die Treppe hinunter,
jeder wollte zuerst kommen. Im Eßzimmer standen die Leute in
ihrem Sonntagszeug, die Mädchen mit weißen Schürzen und
Hauben, die uralte bucklige Köchin, der Gärtner, all die langjährigen
Getreuen, die eng zum Schloß und zur Familie gehörten.
Die Flügeltüren gingen auf, im Saal wogte es von Lichtern und
Tannenduft, im ersten Augenblick waren alle wie geblendet.
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