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Freunden am Klavier den Brautgesang spielte und Lisa sie der
Reihe nach mit Weinranken bekränzte.
Ihr gingen immer noch Leons Verse durch den Sinn und sie lächelte
etwas mühsam, wenn Reinhard sie ansah und fragte: Fehlt dir
etwas, Ellen, du bist heute so still?
München, 20. August
In München -. Ich kann immer noch nicht begreifen, daß es kein
Traum ist.
Es ist etwas so ganz Neues, allein zu leben und nur mit sich selbst
zu reden, und jetzt fühle ich erst, wie mir das not tat. Ich möchte mir
doch endlich einmal angewöhnen, für mich selbst über mein Leben
Chronik zu führen. Bisher sind solche Versuche immer bald wieder
gescheitert - man bekommt gleich das dumme Gefühl, als ob man
vorm Spiegel steht und Monologe darüber hält, wie man aussieht.
Die Malschulen feiern noch bis Oktober, so arbeite ich in einem
Atelier, das fünf Malerinnen zusammen haben - vormittags
Zeichnen und nachmittags Modellieren. Meine Wohnung ist nur ein
paar Häuser davon, ein großes helles Dachzimmer, freundliche alte
Wirtsleute.
Die Luft hat beinah etwas Südliches in diesen heißen Tagen, die
Straßen ganz weiß von dem flimmernden Kalkstaub. - Und das
Arbeiten in unserm großen kühlen Atelier, und dann wieder in die
Sonne hinaus, den ganzen Tag sein eigner Herr sein, keinen
Moment des Tages sich nach anderen richten zu müssen! So habe
ich mir's geträumt, das ist endlich die Luft, in der ich leben kann.
Mein Gott, und jetzt muß ich arbeiten, arbeiten bis aufs Blut, und
dann faßt mich der Jammer an um all die verlorene Zeit, was für
Jahre hätte ich jetzt schon arbeiten können. Und die Angst, ob
meine Kraft doch noch voll ist - manchmal jubelt es in mir, und ich
möchte alle Himmel stürmen, aber dann kommt wieder dies
sonderbare Gefühl, als ob irgend etwas fehlte - als ob da irgendein
toter Punkt wäre, über den ich nicht wegkam. Da habe ich nun, seit
ich halbwegs selbständig denken kann, diesen Heißhunger nach
der Kunst gehabt - wie man sich mit allen Gedanken nach einem
geliebten Menschen sehnt. Aber in dem Augenblick, wo er da ist
und man mit ihm zusammenschmelzen möchte in jeder
Empfindung, da versagt wieder die innere Glut und man tut nur so,
als wäre es, was es sein sollte. Manchmal glaube ich überhaupt, ich
bin wirklich mit dem verkehrten Fuß auf die Welt gekommen und
werde mich nie zurechtfinden.
5. September
Allmählich lerne ich meine Kolleginnen kennen, sie sind im ganzen
ziemlich langweilig, nur mit der Dalwendt freunde ich mich immer
mehr an. Sie ist aus meiner Heimat, sieht aus wie eine Germania,
groß, mit schwerem blonden Haar. Wir gehen nachmittags
zusammen ins Café und dann spazieren. München ist wundervoll in
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