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sprach - auch dieser lachende Mund kannte das Lied von der
unausbleiblichen Enttäuschung und Ernüchterung. Und sie dachte
sich noch die Liebe wie einen immerwährenden Rausch - nur mußte
es dann wirklich die eine, große Liebe sein. - Aber das hatte sie ja
schon jedesmal geglaubt, wenn sie liebte. Und immer kommt
wieder ein anderer, dachte Ellen. - Sie war so sicher gewesen, daß
sie Reinhard liebte und von nun an alle ihre Gedanken nur ihm
gehören würden. Und nun saß sie da in der Sommernacht und
wußte dem strahlenden Verlangen, das sie umwarb, nicht nein zu
sagen - laß morgen morgen sein. - Noch als der Festlärm längst
verklungen und alle schlafen gegangen waren, gingen die beiden
langsam durch dämmernde Straßen und küßten sich wieder und
wieder.
Ziemlich bleich und übernächtig fand sich die wilde Tafelrunde um
Mittag wieder zusammen. Ellen hatte heute nicht den Mut, sich bei
Tisch in ihrer Pension sehen zu lassen, denn die ganze
Badegesellschaft war nur noch ein einziger Sturm von Entrüstung
über das nächtliche Gelage.
Wie sie beim Kaffee saßen und die ermatteten Lebensgeister sich
wieder zu regen begannen, kam Markus herein. Er hatte eine
Drehorgel umgehängt, blieb an der Saaltür stehen und sang mit
hohler Stimme ein altes Leierkastenlied:
Am Weidenbaum, am Weidenbaum
Da fand ich ein Gerippe.
Da zog sie aus den Krinolin
Verfluchte sich - und es - und ihn
Und hing sich an die Strippe.
Als der Beifallssturm sich wieder gelegt hatte, kam er an den Tisch
und setzte sich neben Ellen und Leonhard: Da sitzen sie wieder
Hand in Hand und trinken Kognak. - Ja, lachen Sie nur, in dem Lied
steckt tiefe Lebensweisheit. Hüten Sie sich, Ellen, die Welt hat
Fallstricke und Gefahren.
Ich reise ja heute abend schon, sagte sie, vormittags war ich bei
Ihnen, um adieu zu sagen.
Ja, ja - deshalb bin ich auch hergekommen, er faßte ihre beiden
Hände und sah sie an, lieben Sie nur weiter, Kind, so lange es was
zu lieben gibt. Und denken Sie manchmal an den grämlichen, alten
Kerl, dem Sie etwas von Ihrem Sonnenschein gegeben haben.
Ein paar Stunden später sah Ellen vom Kupeefenster aus noch
einmal Leons blonde Mähne im Abendlicht flattern und hörte noch
einmal seine frohe Stimme:
Leb' wohl, du furchtbar tolles Kind.
Sie zog wieder in ihr altes Quartier bei Lisa Seebald ein. Für einen
der nächsten Abende hatte die ein kleines Verlobungsfest in Szene
gesetzt. Detlev war gekommen, um seine Schwester noch einmal
zu sehen, ehe sie nach München ging, und Reinhard wollte ein paar
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