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neue Unternehmungen, sie ruderten und segelten, wanderten zur
Ebbezeit weit auf den festen, grauen Schlamm hinaus, spannten
des Strandwirts Ackergäule vor einen klappernden alten
Leiterwagen, fuhren von Dorf zu Dorf und durchschwärmten nach
der Rückkehr die halben Nächte im Freien vor den Gasthäusern. Es
war ein ununterbrochenes Fest; wo sie hinkamen, gab es Leben
und übermütigste Lust. Ellen gab sich diesem stürmischen
Sommerleben in gedankenloser Freude hin. Bald war ja ihre Zeit
sowieso abgelaufen - Reinhard war zu seinen Eltern gereist, und
wenn er zurückkam, wollten sie noch ein paar Tage zusammensein,
dann kam München. Es lag alles so klar und froh vor ihr, sie schrieb
glückselige Briefe an Reinhard und erzählte ihm von ihren Freunden
und den tollen Fahrten.
Der Tag ihres Scheidens rückte heran, und es kam hier und da ein
wehmütiger Ton in ihr Beisammensein mit dem frohen Gefährten.
Kind, Kind, nun soll ich dich hergeben, sagte Leon, und du gehst
ebenso lachend fort, wie du gekommen bist.
Dann wurde sie wohl einen Augenblick ganz still, aber gleich darauf
faßte sie ihn bei den Schultern und schüttelte ihn. Nein, ich möchte
gerne noch bei dir bleiben, aber ich freue mich doch auch so darauf,
ihn wiederzusehen. Kannst du dir nicht denken, wie ich mich freue?
Er nahm ihre Hand, mit der andern fuhr sie ihm langsam durch die
Haare.
Leon, ich darf mich nicht in dich verlieben, das wäre wirklich
schlimm.
Auch nicht für einen Tag, wenn du doch so bald schon fortgehst?
Kind, eigentlich waren wir doch alle beide verliebt, diese ganze Zeit,
oder glaubst du nicht? - Und das Heute gehört uns noch, laß
morgen morgen sein.
Zu guter Letzt waren sie noch einmal alle zusammen nach einer von
den kleinen weißen Sandinseln hinausgesegelt. Es sollte eigentlich
eine Seehundsjagd sein, man hatte Flinten mitgenommen und lag
den ganzen Nachmittag hinter den großen Strandsteinen auf der
Lauer. Aber die meisten von ihnen hatten noch nie einen Seehund
gesehen, und kam eins der runden schwerfälligen Tiere zum
Vorschein, dann brachen sie in ein so schallendes Gelächter aus,
daß es gleich wieder den Rückzug antrat. Keiner dachte auch nur
daran, ihm einen Schuß nachzuschicken. Aber das war so
vergnüglich, daß der Schiffer mehrfach zur Abfahrt mahnen mußte,
und als sie schließlich aufbrachen, war die Flut schon so weit
vorgerückt, daß man das Boot nur watend erreichen konnte.
Lachend, schwankend und durchnäßt kamen sie endlich an Bord.
Ellen und Leon wanderten, bis an die Brust im Wasser, noch
dreimal um das Boot herum - sie wollten von einem alten Seemann
erfahren haben, das sei ein sicheres Mittel gegen alle Seeunfälle.
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