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Gleich nach Tisch ging sie hin, er lag im Bett, blaß wie die Wand,
mit schrecklich verdrehten Augäpfeln. Von nun an kam sie jeden
Tag, brachte ihm Blumen, räumte sein Zimmer auf, das in arger
Unordnung war, und ließ sich seine Leiden erzählen.
Sie sind ein gutes Kind, sagte er, aber es bringt kein Glück, wenn
man so weichherzig ist. Was haben Sie davon, wenn Sie einen
alten Krüppel besuchen und sich ins Gerede bringen. Ja, wenn's
noch ein junger Kerl wäre.
Aber sie verstand sich so gut mit dem kranken Teufel und liebte
diese Stunden, wo sie an seinem Bett saß und er über die
verdammten Weiber schimpfte und ihr immer wieder die
Schwindsucht weissagte, weil sie hustete.
Aber lachen Sie nur, lachen Sie nur, es vergeht früh genug.
Inzwischen lernte Ellen andere Menschen kennen. - Sie ruderte
eines Abends in ihrem kleinen weißen Boot aus dem Hafen. Eben
vor ihr war eine größere Segelbarke hinausgefahren, und nun
erschien jemand am Kai, der sich verspätet hatte, rief sie an und
bat, sie möchte ihn bis zum Segelboot mitnehmen. Der Wind war
schwach, und sie hatten es bald erreicht. Ellen kannte niemand von
der Gesellschaft, aber es schien ein lustiges Volk zu sein. Alles
lachte und lärmte durcheinander und Weinflaschen gingen von
Hand zu Hand. Ihr Begleiter ließ ihr keine Ruhe, bis sie ihr Boot
festmachte und mit einstieg. Aber er schien nicht mehr ganz sicher
auf den Füßen zu sein, und beinahe wären sie zusammen ins
Wasser gefallen, gaben sich aber noch zur rechten Zeit einen Ruck
und stürzten nun über ein paar Schultern und Köpfe weg mitten ins
Schiff hinein. Da lagen sie beide auf den Knien und sahen sich
verwirrt an, während die andern ringsum in die Höhe fuhren,
aufschrien oder lachten. Ein paar Herren sprangen auf, um Ellen zu
helfen:
Sehr liebenswürdig von Ihnen, uns so zu überraschen, darf man
fragen, wo Sie so gut springen gelernt haben? Das war ja schon
mehr geflogen.
Von dem da, sagte Ellen, während sie vorsichtig aufstand, denn
der Boden war voller Glasscherben.
Leonhard, stellte er sich jetzt rasch vor, immer noch auf den
Knien, ich bitte tausendmal um Verzeihung - aber schön war es
doch, und mit einem andächtigen Blick küßte er ihr die Hand. Die
übrigen hatten sich inzwischen von ihrem Schrecken erholt und
stimmten ein lautes Jubelgeschrei an:
Sehr schön - bravo Leon! Leon soll leben - die junge Dame soll
leben. - Festhalten, sonst springt sie auf der andren Seite wieder
hinaus. - Wein her - wo ist der Wein?
Sie bekamen jetzt einen Platz auf der Bank, und alle stießen mit
ihnen an.
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