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endlich einmal lernen, klar gegen dich selbst zu sein. Du hast diese
sonderbare Neigung, alles Unangenehme von dir fortzuschicken,
bis es von selbst über dich kommt, und dann würdest du am
liebsten noch fortlaufen, um es los zu sein.
Das kommt von meinem ganzen bisherigen Leben. Denk dir
einmal: wenn man durch Jahre immer in der Erwartung lebt: was
wird morgen geschehen? Ich fahre heute noch zusammen, wenn
die Post kommt oder die Haustür klingelt.
Armes Kind - ich weiß es ja auch. Und es soll meine Hauptsorge
sein, daß dein Leben jetzt wirklich einmal ausblüht. Aber über dies
Letzte mußt du jetzt noch weg - die letzten Hindernisse nehmen,
Ellen -. Dann sprach er davon, daß sie doch heiraten wollten, über
kurz oder lang, denn wann es sein konnte, ließ sich nach seiner
unsicheren Praxis noch nicht sagen.
Ellen wurde etwas unruhig dabei, ihr war, als schöbe sich wieder
eine graue Wolke über ihren hellen Himmel hin.
Ach, Reinhard, warum müssen wir denn gleich wieder an Verloben
und Heiraten denken? Ich habe einen förmlichen Schrecken vor
dem bloßen Wort. Und dann muß ich auch jetzt erst einmal ganz ins
Blaue hineinleben - ich muß wenigstens vier, fünf Jahre ganz für
mein Studium haben, das geht allem andern vor.
Auch mir und unserm Glück?
Das darf dir nicht weh tun, und du darfst es nicht verkehrt
verstehen. Wenn ich in der Kunst nicht zu dem komme, was ich will,
kann ich dich auch nicht glücklich machen und nicht glücklich sein.
Ellen, du sollst ja deine Kunst haben und alles, was ich dir schaffen
kann. Und ich werde nie verlangen, daß du sie aufgibst, um eine
gute Hausfrau zu werden. Siehst du, ich habe mir das alles überlegt
- vor dem nächsten Frühjahr können wir nicht an Heiraten denken,
ich fasse es auch nicht so auf, daß man nun festgeschmiedet ist.
Ich will damit zufrieden sein, wenn du immer ein halbes Jahr bei mir
bist und die übrige Zeit dich in Berlin oder München weiterbildest. -
Wie weit denkst du überhaupt mit deinen sechshundert Mark zu
reichen, in diesem Jahr werde ich dir so gut wie gar nicht helfen
können.
Ach, das findet sich alles, wenn ich nur erst dort bin - du bist so gut,
Reinhard, - ihr war immer noch etwas beklommen - aber jetzt
wollen wir das noch erst mal ruhen lassen, nicht wahr?
Als Ellen in dem kleinen Badeort ankam, regnete es in Strömen.
Nachmittags kam ein Telegramm von Allersen, das Lisa ihr
nachgeschickt hatte: Warum so lange keine Nachricht, bin in
Unruhe?
So setzte sie sich in der niedrigen Bauernstube an den Tisch und
schrieb einen langen Brief an ihn, während schwere Tropfen an die
Scheiben schlugen und die Kühe draußen in den Wiesen dumpf
gegen den Himmel brüllten. Sie wurde traurig und nachdenklich
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