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Langsam zog sie die Hände vom Gitter zurück, sie waren wie
angefroren an dem feuchten, kalten Eisen, und schauerte
zusammen in der Nachtkühle und der leeren Straßeneinsamkeit. -
Tags darauf kam Ellen unerwartet und unangemeldet bei ihrer
Freundin Lisa an, und die erschrak beinahe über ihre völlige
Teilnahmlosigkeit. Ellen lag tagelang oben in ihrem Zimmer und
schlief, sie dachte nicht mehr daran, in ihre Stellung
zurückzukehren, oder was sonst geschehen sollte. Wenn Briefe
kamen, ließ sie dieselben ungelesen liegen, ihr war, als ob alles in
das Grab ihres Vaters und ihrer Heimat versunken wäre.
Als Reinhard Laurenz dann hörte, daß sie wieder da war, kam er
gleich. Fast mit Gewalt zog er sie mit hinaus in die Sommersonne,
auf weite Spaziergänge und brachte sie allmählich wieder zum
Erwachen. Immer wieder sprach er ihr von der Zukunft, die so licht
und froh für sie werden sollte, daß alle dunklen Schatten weichen
mußten. Sie sollte sich wieder auf ihre Jugend und ihre Ziele
besinnen, sich auflehnen gegen den Schmerz, ihn abschütteln und
nur an den neuen Morgen denken, der vor ihr lag. Und er ließ nicht
nach, bis sie wieder froh wurde. Von sich selbst sprach er nicht,
aber Ellen wußte seine Liebe wohl, es war nur noch ein leises
Zögern in ihr und etwas wie Angst vor jeder innerlichen
Erschütterung.
An einem Sonntagnachmittag waren sie beide mit Lisa
hinausgefahren, um die Rennen anzusehen. Das Menschengewühl
unter der brennenden Sonne, der Wein und das aufregende Spiel
da drunten auf der weiten Sandfläche, wo die dunklen,
schimmernden Tiere dahinrasten, brachte sie in seltsame Stimmung
- in eine Art von stürmischer Erwartung, als ob jeden Augenblick
etwas hereinbrechen, über alles hinfegen könnte.
Auf dem Programmzettel fanden sie heraus, daß eins von den
Rennpferden Ellen hieß. Darüber lachten sie mit Lisa und wetteten
untereinander; aber als die Freundin wieder ganz im Zuschauen
versunken war und sich weit vorbog, um besser zu folgen, gingen
ernste Blicke zwischen den beiden andern hin und her. Reinhard
stand hinter Ellens Platz, sie sprachen leise zueinander, fast nur
indem sie die Lippen bewegten, und mit den Augen. Er fühlte all das
Schwanken in ihr, seit lange schon: Zu mir kommen, Ellen, zu mir, -
wir gehören zusammen.
Dann mußten sie wieder laut sprechen - nun kam das Pferd, das
Ellens Namen trug, ins Rennen - und Lisa drehte sich um:
Was flüstert ihr denn?
Wir machten eine Privatwette ab, ob 'Ellen' siegen wird.
Lisa versank wieder in aufmerksames Zuschauen, und über die
beiden kam plötzlich ein gewitterschwüler Übermut.
Es soll gelten, sagte Ellen leise.
Sie wissen doch, daß ich abergläubisch bin, wenn Ellen siegt - -
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