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Er vertrat Detlev den Weg mit einer abwehrenden Handbewegung:
Hier habe ich das erste Wort zu reden, lassen Sie mich mit Ihrer
Schwester allein.
Ellen war ganz verwirrt. Wie geht es Papa? fragte sie rasch.
Ihr Vater lebt noch, aber es ist keine Hoffnung mehr - und ich bin
hier, um Sie zu fragen, weshalb Sie gekommen sind?
Weil ich meinen Vater noch einmal sehen will.
Ich komme im Auftrag Ihrer Familie, die Ihnen sagen läßt, daß Sie
hier nichts mehr zu suchen haben.
Ellen faßte sich mühsam: Dann will ich zu meiner Mutter gehen und
mit ihr sprechen.
Das werden Sie nicht tun - Ihre Mutter will Sie nicht sehen. Sie
haben genug Schmerz und Schande über Ihre Eltern gebracht,
treiben Sie es nicht noch weiter. Oder wollen Sie auch noch das
Totenbett Ihres Vaters und den Schmerz der andern entweihen?
Weiß er, daß ich hier bin?
Nein, und er wird es auch nicht erfahren. Man ist ängstlich bemüht,
ihm jede Aufregung fern zu halten, und verlangt deshalb von Ihnen,
daß Sie gleich wieder abreisen. Es geht heute noch ein Nachtzug
nach Hamburg.
Nein, ich bleibe hier, solange mein Vater noch lebt, und wenn er
mich rufen läßt -
Ich wiederhole Ihnen, Sie dürfen das Haus Ihrer Mutter nicht
betreten. Der Geistliche erhob mahnend die Hand. Und ich will
Ihnen nur noch das eine sagen: Sie werden Ihren Vater nicht mehr
sehen - und wenn ich mich selbst vor die Tür stellen müßte.
Ellen wandte ihm den Rücken und ging auf die beiden zu, die
langsam auf und ab wanderten; dann nahm Annita Allersen sie mit
in ihr Haus.
Die ersten Tage kam Detlev und brachte ihr Nachricht; der Vater lag
im Krankenhaus, und sie waren alle von Morgen bis Abend dort.
Dann blieb er aus. Als er bis Nachmittag nicht gekommen war,
suchte Ellen den Arzt auf, der ihren Vater behandelte und den sie
von früher her kannte.
Sie sollten doch mit Ihrer Mutter sprechen, sagte dieser. Es ist
wohl kaum zu hoffen, daß er den Abend überlebt.
Ellen ging durch die ganze Stadt und weit hinaus bis in den Wald,
da lag sie eine Stunde nach der andern im Gras. - Nun würde er
sterben und sie ihn nie wiedersehen, und was mochte er gelitten
haben um sie! Ihr ganzes Zuhauseleben zog wieder an ihr vorüber -
was war es anderes gewesen, als Feindseligkeit und Erbitterung.
Man war hart verfahren mit ihrer Jugend, die nach Freude und
Sonne verlangte. Aber sie wußte doch auch, daß ihr Vater viel Liebe
und Weichheit in sich trug, bei aller Schroffheit gegen das, was er
nicht anerkennen und nicht dulden wollte. Eine namenlose
Sehnsucht erwachte in ihr nach all der Liebe, die sie einander nie
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