| |
Da standen sie am Bahnhof: Leben Sie wohl, ich wünsche Ihnen
viel Vergnügen für Ihr späteres Leben - damit war er
verschwunden. Ellen hatte nicht darauf gerechnet, wieder
zurückzukommen, und ihr Geld reichte nur gerade noch so weit,
daß sie an Allersen telegraphieren konnte, und für ein Billett vierter
Klasse nach dem Ort, wo er sie treffen sollte. Und Ernst Allersen
war etwas verwundert, als Ellen ausgehungert und zerschlagen
ankam, aber in ausgelassenster Stimmung, und ihm nach und nach
ihr ganzes Erlebnis erzählte. Er war unzufrieden, machte ihr alle die
Vorwürfe, die sie schon kannte, und Ellen hörte ungeduldig zu,
ohne viel zu antworten. Mit jedem Tage fühlte sie mehr, daß sie dies
nicht weiter ertragen könne, und fand doch nicht den Mut, ein Ende
zu machen. Und jetzt wußte sie auch, daß sie in seinen Armen nie
etwas von den geträumten Seligkeiten finden würde, - die Zeit war
vorbei. Sollte sie immer wieder all die verlockenden Möglichkeiten
an sich vorübergehen sehen, um jedesmal dieselbe Ernüchterung
zu fühlen? Es begann, sie zu reuen, daß sie den andern hatte
gehen lassen mit allem, was er ihr bot.
Als sie dann zu ihrer Freundin Lisa zurückkam, hatte die inzwischen
etwas für sie gefunden, bei Bekannten, die für den Sommer eine
Gesellschafterin suchten. Ellen sagte ja, aber in der ersten
einsamen Stunde setzte sie sich hin und schrieb an Louis Michel,
sie sei jetzt bereit zu kommen, er möchte ihr nur eine neue
Zusammenkunft vorschlagen. Aber es kam nie eine Antwort.
Während der kurzen Zeit, die sie noch bei Lisa blieb, kam Doktor
Laurenz fast jeden Abend und holte Ellen zum Spaziergang ab. Sie
sprach jetzt offen mit ihm über Allersen, und wie sie es nur von Tag
zu Tag hinausschob, das letzte Wort zu sagen. Er konnte das alles
so gut verstehen, auch ihr Zögern, etwas so Jahrelanges
abzubrechen, das doch eine Art fester Punkt war, während alles
andre hin und herschwankte.
Eines Abends trafen sie sich vor seinem Bureau, und da es regnete,
gingen sie in ein nahes Weinrestaurant.
Mein Gott, Ellen, warum strahlen Sie denn heute so? fragte er, als
sie am Tisch saßen.
Ja, es geschehen wirklich noch Wunder - denken Sie nur, ein
Freund von Detlev will mir bis zum Herbst eine Summe verschaffen,
mit der ich nach München gehen und anfangen kann zu malen. Ich
kann mich noch kaum besinnen, so unerwartet ist das gekommen.
Er hob das Glas und sie stießen an. Glück auf, Ellen, sagte
Laurenz und sah sie froh an. Wenn Sie wüßten, wie mich das freut.
Es kränkt mich schon so, daß ich selbst nicht in der Lage bin, Ihnen
zu helfen.
Ellen war zerstreut, sie konnte heute abend nichts andres denken,
als daß ihr brennendster Wunsch in Erfüllung gehen sollte.
Ich fand es auch zu schrecklich, daß Sie in Stellung gehen wollten.
|  |
|
| |
|
|