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Louis Michel ging im Zimmer herum und dann ans Fenster.
Kommen Sie einmal her. Da lag der Rhein im Mondlicht, die alten
Häuser am Ufer im tiefblauen Schatten, aus dem viele einzelne
Lichter funkelten. Es war Festtag - drunten in der Straße zogen
Trupps von lärmenden Menschen vorbei. Ellen setzte sich auf die
Fensterbank, er stand vor ihr und sah sie an. Wollen Sie mit mir auf
Reisen gehen? fragte er plötzlich. Bitte, lassen Sie mich ruhig
ausreden. - Ich habe Ihnen erzählt, was für ein Leben ich führe,
heute in Paris, morgen in Monte Carlo, und dann spiele ich wie toll,
das ist meine einzige Leidenschaft, und weil ich nicht weiß, was ich
anfangen soll. Irgendeinen Reiz muß das Leben haben. Dann hab
ich einmal gedacht, wenn ich einen Menschen mit mir hätte, eine
Frau, die alles mit mir teilt, nicht verheiratet, nur als guter Kamerad -
und sah zufällig Ihre Annonce. Warum können Sie nicht ebensogut
mit mir reisen, wie mit einer unangenehmen, alten Dame? - Ihr Bild
gefiel mir - dann hab' ich mit Ihnen selbst gesprochen...
In Ellen wogte und wirbelte es - reisen, wohin man will - was konnte
sich da alles vor ihr auftun! Aber mit diesem Menschen - irgend
etwas in ihr widersprach gegen ihn. Dann dachte sie an Allersen.
Ich bin an jemand gebunden, sagte sie.
So machen Sie sich los - oder wollen Sie etwa heiraten?
Das weiß ich noch nicht - vor allem will ich malen, sowie ich die
Mittel dazu habe. Das bindet mich auch.
Aber ich gehe mit Ihnen, wohin Sie wünschen - lasse Sie
ausbilden.
Ellen war so verwirrt von all den Gedanken, die auf sie einstürmten,
daß sie schwieg. Als er sie dann anrühren wollte, wehrte sie sich.
Nein, nein, haben Sie nur keine Angst. Ich gehe fort, wenn Sie es
verlangen. Aber Sie sind... sagen Sie mir, warum Sie nicht mit mir
kommen wollen?
Sie waren währenddem wieder an den Tisch gekommen, er lehnte
sich in seinem Sessel zurück.
Sehen Sie, ich wollte ganz ruhig mit Ihnen reden, aber das kann ich
jetzt nicht mehr. - Zuerst war es natürlich nur ein Experiment, daß
ich an Sie schrieb, Sie kommen ließ. Als wir hier beisammen saßen,
habe ich mich immer mehr in Sie verliebt - und jetzt will ich, daß Sie
mit mir gehen. Sie müssen.
Und wenn ich aber nicht will?
Warum wollen Sie denn nicht? Ist es denn ein so unmöglicher
Gedanke, mit mir zu leben?
Ich könnte nur mit einem Mann leben, wenn ich ihn liebe oder
wenigstens in ihn verliebt bin.
Lieben Sie denn den andern?
Das nicht, aber ich bin doch manchmal verliebt in ihn, und vor
allem hängt er so an mir, daß ich ihm sein Leben ganz zerstören
würde.
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