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Ich wollte ihr wünschen, daß sie endlich was fände, sagte die
Freundin. Das arme Kind, sie hat wirklich keine frohen Jahre hinter
sich und gehört so sehr zu denen, die das Leben mit Jubel
genießen möchten.
Glauben Sie eigentlich, daß sie diesen Allersen liebt?
Ach, Lisa machte ein Gesicht, lieben - Ellen tut mit ihm, was sie
will, und das ist ihr ganz bequem. Er hat gar kein Rückgrat - ich
glaube auch nicht, daß die Geschichte noch lange dauert. Ich habe
schon oft beobachtet, daß sie ganz ungeduldig wird, wenn ein Brief
von ihm kommt.
Dann trennten sie sich.
Ellen machte ihre ernsthafte Gouvernantenmiene - sie hatte sich ihr
Benehmen für solche Fälle mit vieler Mühe einstudiert -
zurückhaltend, liebenswürdig, bescheiden - und möglichst
weltgewandt. Jede Bewegung mußte sagen: ich bin allem
gewachsen, verlangt, was ihr wollt.
Innerlich kämpfte sie mit einer fast unbezähmbaren Lachlust - ihr
zukünftiger Brotherr hatte sie am Bahnhof abgeholt.
Wo wünschen Sie abzusteigen?
Das wußte sie nicht, da sie hier ganz unbekannt war.
Dann haben Sie wohl nichts dagegen, mit in mein Hotel zu gehen?
O nein, gewiß nicht.
Als sie im Wagen saßen, fragte er rasch: Es ist Ihnen doch nicht
unangenehm, wenn ich Sie als meine Frau einschreibe - nur um
alles Auffallende zu vermeiden.
Es kam ihr etwas seltsam vor, aber sie fand es ganz lustig und
dachte, es sei am besten zu tun, als ob alles ganz
selbstverständlich wäre. Dann hatte er ein Zimmer mit Salon
genommen und ließ das Abendessen heraufbringen, und jetzt saß
sie mit dem wildfremden Mann, der etwas gebrochen deutsch
sprach, beim Souper. Er war groß und brünett, sehr elegant und
sehr aufmerksam. Als was mochte er sie wohl engagieren wollen? -
Er fragte nach allem, was sie gelesen hätte, wofür sie sich
interessierte, sprach über Kunst und Bücher. Als der Kellner wieder
hereinkam, duzte er sie - sie galt ja für seine Frau - und darüber fiel
Ellen plötzlich aus ihrer Würde und fing an zu lachen.
Gott sei Dank, sagte er, als sie wieder allein waren, Sie können
also doch lachen. Mir war schon angst, daß Sie immer so ein
feierliches Gesicht machten.
Darauf ließ er Sekt und Zigaretten bringen, sie unterhielten sich
immer lebhafter, und es wurde ziemlich spät. Ellen saß in einem
bequemen Lehnstuhl und fühlte sich sehr wohl. Dann fiel ihr wieder
ein, weshalb sie hier war, und sie entschloß sich jetzt endlich nach
ihrer künftigen Stellung zu fragen.
Ach, davon können wir morgen noch sprechen.
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