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ohne daß sich irgendeine Aussicht bot. Ellen machte keinen
vertrauenerweckenden Eindruck mit ihrem adligen Namen und ihren
etwas abgetragenen Kleidern: einmal fand man, sie sähe viel zu
jung aus, ein andermal erkundigte man sich nach ihren
Familienverhältnissen.
Endlich kam Antwort auf eine Annonce, in der sie sich als
Reisebegleitung oder Gesellschafterin angeboten hatte: sie sollte
ihre Photographie einschicken und mitteilen, über welche Sprachen
und Kenntnisse sie verfügte. Der Brief kam aus Straßburg und war
mit Louis Michel unterzeichnet. In einem zweiten Schreiben wurde
sie aufgefordert, zu einer persönlichen Vorstellung nach Köln zu
kommen.
Lisa und Ellen ergingen sich in Vermutungen - vielleicht war es ein
kränklicher, älterer Herr oder ein Witwer mit Kindern.
Am Abend vor der Abreise war Ellen allein zu Hause, und es kam
ein Bekannter von Lisa - Doktor Laurenz. Sie hatte ihn während
dieser Wochen oft gesehen, denn er wußte von ihrer Lage und
nahm französische Stunden bei ihr. Als sie mit ihren Büchern auf
dem Balkon saßen, erzählte Ellen ihm, daß sie jetzt Aussicht auf
eine Stellung habe und morgen nach Köln fahren werde.
Doktor Laurenz war ein hochgewachsener Mann mit raschen,
jugendlichen Bewegungen und klugen, blauen Augen, die etwas
Forschendes im Blick hatten, und Ellen fühlte etwas wie Respekt
vor ihm, weil er so überlegen lächeln konnte.
Ich finde das ziemlich bedenklich für Sie, meinte er, so aufs
Geratewohl hinzufahren.
Aber das ist ja gerade schön - ich habe keine Ahnung, was für
Leute das sein mögen und wozu sie mich engagieren wollen - am
Ende werde ich noch Kindermädchen.
Und was sagt Herr Allersen dazu?
Den habe ich gar nicht gefragt, nur geschrieben, daß ich nach Köln
fahre.
Ihr kam das Verhältnis überhaupt etwas merkwürdig vor, es schien
sie immer zu bedrücken, wenn sie davon sprach. Es wurde dunkel,
und das Mädchen kam mit der Lampe - Doktor Laurenz nahm den
Klemmer herunter und sah Ellen an.
Ich glaube, Sie lassen sich überhaupt nicht gern dreinreden - aber
wollen Sie mich nicht ein wenig als älteren Bruder betrachten, der
hier und da raten darf? - Nehmen Sie wenigstens einen Revolver
mit auf die Reise.
Ellen versprach es und lachte über seine Bedenklichkeit.
Am nächsten Morgen kam er an die Bahn und brachte ihr Rosen.
Haben Sie den Revolver?
Ja.
Lisa fand es auch etwas übertrieben. Sie gingen zusammen zurück,
als der Zug fort war und sprachen über Ellen.
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