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zittern bei allem, was ich tue. Jetzt komme ich, Lisa, ich komme -
ich komme, und dann soll geschehen, was will.
Ich muß mir selbst etwas Vernunft einreden,... also: am
Ostermorgen brenne ich durch - um halb neun gehen sie alle in die
Kirche, da ich Sonntags manchmal nicht ausschlafe, fällt es nicht
auf, wenn ich vorher nicht erscheine. - Der Hauslehrer hat mir einen
Koffer und das Geld zur Reise geliehen, ich habe ihn in alles
eingeweiht. - Sollte mich jemand sehen, so sage ich, es wäre ein
Aprilscherz - Sonntag ist gerade der erste.
Nur noch acht Tage - es ist mir doch auch wieder wehmütig. Ich
erzählte Ihnen von der Kranken, die wir im Hause haben - um die
wird es mir ganz schwer. Ich bin so viel bei ihr, manchmal auch
nachts, wir haben uns sehr gerne und hatten viele schöne stille
Stunden. Jetzt ist sie wohl dem Ende sehr nahe, ich sitze
frühmorgens bei ihr am Fenster, wenn die Vögel draußen
zwitschern, und denke daran, daß ich nun bald in die Freiheit gehe,
während hier ein Mensch mit dem Tode ringt. Dann bilde ich mir ein,
sie könnte mich entbehren, und möchte lieber, sie stürbe noch
vorher. Es ist eigentlich schrecklich, Lisa, daß man überall wieder
so mit seinem Herzen festhängt.
Aber jetzt leben Sie wohl, ich telegraphiere Ihnen noch, wann ich
komme. Und lassen Sie es Detlev dann wissen.
Ihre Ellen.
Es war die Nacht auf den ersten April, Ellen lag halb angezogen auf
dem Bett und daneben brannte die Kerze. Jede Stunde hörte sie
schlagen, dazwischen schlief sie halb ein und fuhr erschrocken
wieder in die Höhe - Mitternacht - Eins - Halb Zwei - Sie kämpfte mit
der Versuchung, sich in die Kissen hineinzuwühlen und fest zu
schlafen - morgen war ja auch noch ein Tag, warum sollte es
durchaus gerade heute sein? Nachtdunkel und Müdigkeit nahmen
ihr den Mut: wenn nun alles fehlschlug, sie eingeholt, festgehalten
und mit Gewalt zurückgeschleppt wurde?
Wieder schlief sie eine halbe Stunde und richtete sich erschrocken
wieder auf, die Lider wurden immer schwerer - ihre Kerze war halb
heruntergebrannt - halb drei Uhr. Wie ein wahnsinniger,
undurchführbarer Entschluß kam es ihr plötzlich vor, aufzustehen
und fortzulaufen - es war dunkel und kalt, sie dachte an ihre Eltern,
ihr schien, als ob die ganze Welt da draußen so sein müßte, wie
diese finstere Nacht, und da sollte sie nun allein ihren Weg suchen.
- Ah - nur noch etwas schlafen - da schlug die Uhr wieder -, nein,
nein, wenn sie sich nicht aufraffte, war es zu spät - jetzt oder nie. So
riß sie sich mit Gewalt empor und kleidete sich an - das kalte
Wasser verscheuchte den Schlaf und all die zögernden Gedanken.
Draußen über den Bäumen schien der Mond, und durch die Zweige
fuhr ein rascher Morgenwind. Frühling, dachte sie, und draußen
wartet das Leben. Am Tisch vor dem Fenster schrieb sie rasch ein
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