| |
Bis zum Frühjahr bleibe ich hier, dann schreibe ich noch einmal
heim, ob sie mich freiwillig gehen lassen. Dann haben sie die Wahl,
ob sie mich zum Äußersten zwingen wollen. Es wird mir ja auch
nicht leicht, mich für immer von ihnen loszureißen, und ich weiß,
daß ich ihnen den Rest ihres Lebens zerstöre. - Ich habe doch
manchmal Heimweh nach allen - seit ich von zu Hause fortreiste,
habe ich keinen von ihnen mehr gesehen, die andern Geschwister
haben sich ja auch gegen mich gestellt - nur Detlev nicht.
Aber es ist besser, nicht daran zu denken. -
24. März
Lisa, nun ist es entschieden. Papa hat auf meinen Brief hin eine
Zusammenkunft mit dem Pastor gehabt. Als der zurückkam, war
seine gute Meinung über mich bedenklich erschüttert. Mein Vater
hat ihm alles erzählt, auch von der Reise mit Allersen, und er war
ganz entsetzt. Beinahe drei Stunden hat er auf mich eingeredet, er
vor seinem Schreibtisch und ich daneben auf dem Stuhl, wo schon
so manche arme gnadenbedürftige Seele gesessen hat.
Er sähe mich ins Verderben rennen, wenn ich von diesem
Menschen nicht lassen wollte, denn die Sünde ist der Leute
Verderben und unser Verhältnis ein sündiges und beflecktes. -
Meine Eltern würden es nie zugeben, daß ich mich selbständig
machte - aber er, der Pastor, schlüge mir vor, in seinem Hause zu
bleiben. Da sollte ich meine volle Freiheit haben, malen, alles, was
ich wollte, und zugleich mich von ihm zu Gott führen lassen, bei
dem allein die Wahrheit ist. Er wüßte wohl, daß viel Gutes in mir
steckte (das finden die Pastoren immer bei mir). - Aber alles das nur
unter einer Bedingung - von Allersen mich lossagen, weil der mich
rettungslos herabzieht. Wenn ich das nicht täte, könnte ich auch
hier nicht bleiben und müßte zu meinen Verwandten zurück. Denn
er wolle sich nicht mit mir im Sumpf wälzen....
Mir wurde ganz wirblig dabei - ich sah zuletzt nichts mehr wie
seinen Kopf, der mir immer größer zu werden schien, und die
Augen, die mich unaufhörlich ansahen. Jetzt kann ich mir einen
Begriff machen, wie die armen Seelen hypnotisiert werden und wie
man in solchen Momenten nachgibt, einfach, weil man schwindlig
wird. - Schließlich fing ich aus lauter Nervosität an zu weinen, und
das hielt er wohl für ein Zeichen, daß die Gnade nun bei mir
durchbräche - das tut sie nämlich, wenn der Sünder ganz zermalmt
und zerknirscht ist.
Dabei tat es mir auch beinahe weh, er ist trotz aller Verranntheit
einer von den wenigen, die es gut mit mir meinen, und als
Menschen habe ich ihn sehr gern.
Ich habe mir vierzehn Tage Bedenkzeit ausgebeten, aber die Würfel
sind geworfen. Lisa, es bebt in mir bei dem Gedanken, nun so bald
frei zu sein. Ich möchte in einemfort schreien, und meine Hände
|  |
|
| |
|
|