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mir geht es ja nur um meine Freiheit und ums Malen, aber ich hüte
mich wohl, das durchscheinen zu lassen. - Ich warte nur auf den
Moment, wo sich eine Türspalte auftut - es kommt mir ja schon vor,
wie ein erstes Aufleuchten, daß ich einen Brief an Euch fortschicken
kann. Mein Onkel ist heute zur Stadt gefahren, und wenn die Tante
schläft, will ich versuchen, nach der Station zu rennen und ihn
einzustecken. Noch ist nicht einmal sicher, ob es gelingt. Mein Gott,
wenn ich doch jetzt soviel Geld hätte, um zu Euch zu fahren oder
meinetwegen auch zu Fuß hinzulaufen. Aber dann würden sie mich
ja doch erwischen.
Kinder, denkt an mich - ich habe vielleicht noch schlimmere Zeiten
vor mir. So lebt wohl und vergeßt mich nicht - schreibt mir nicht, ich
würde es doch nicht bekommen.
Ellen
Pfarrhans Steensby
- - Da bin ich nun als räudiges Schaf mitten unter der Schar seiner
Gläubigen - in einem weißen, friedlichen Landpastorat - wasche
Zimmer auf, putze Lampen und stehe am Herd - frühmorgens,
wenn die Hähne krähen.
Seit dem ersten Oktober bin ich hier - wurde wie ein sibirischer
Sträfling hergebracht - man ließ mich keine Wagenstrecke allein
fahren. - Vorher in Kronsee mußte ich noch eine Art Kontrakt
unterschreiben, daß ich keine heimlichen Briefe abschicken, nie
allein zur Stadt gehen und mich in die Hausordnung fügen wollte.
Es ist nur gut, daß ich im Seminar von der reservatio mentalis
gelernt habe.
Am ersten Abend habe ich mir gleich das Haus darauf angesehen,
wie man von hier ausreißen könnte - Türen, Fenster, alles. Ich war
eigentlich auf lauter neue Quälereien gefaßt: Verhöre,
Bußpredigten, Überwachung - aber nichts von alledem. Es sind
sympathische Menschen, die mir nur mit Takt und Freundlichkeit
entgegenkommen, - was ich im Gegensatz zu meiner Familie
doppelt wohltuend empfinde. Ich mag sie alle gerne und es ist eine
einfache, heitre Atmosphäre, in der ich mich wohlfühle. Ja, Lisa, es
läuft der Hase manchmal wunderlich - daß ich mich in einem
Pfarrhause zum erstenmal wohlfühlen würde, hätte wohl zur Zeit
unsrer Ansichten niemand gedacht. Mit letzteren läßt man mich
ganz in Ruhe, und ich mache stillschweigend Kirchgänge und
Andachten mit. Ebenso fragt man nicht danach, was ich in meiner
freien Zeit anfange und was für Briefe ich bekomme. Ihr könnt mir
also ruhig hierherschreiben, und wie lechze ich nach einem Wort
von Euch. - Kinder, wie habe ich diesen Sommer oft nach einem
Briefkasten ausgespäht, - hier kann ich meine Briefe ungestört nach
der Stadt bringen.
Alles in allem, Lisa, ich dehne mich in einem langentbehrten Gefühl
von Frieden nach - und vor dem Sturm. Denn der schläft ja nur. -
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