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Emanzipationsgeschichten. Glaubst du, ich werde dich mit deinem
törichten Hang zur Ungebundenheit allein in die Welt
hinausschicken? Aber das sind Sachen, die du nicht verstehst...
dann nahm er einen Brief vom Tisch und warf ihn wieder hin: Hast
du etwas davon gewußt, daß Detlev Schulden hat?
Nein, aber Ellen fühlte, wie sie rot wurde.
Und auch nicht von der Duellgeschichte?
Nein!
Ellen, ich will die Wahrheit wissen.
Ich hab' ihm versprochen, nichts davon zu sagen. Und nun brach
sein Zorn hervor: Immer steckt ihr unter einer Decke, ihr beiden -
gegen uns, gegen alles. - Was wollt ihr damit? - Was setzt ihr euch
in den Kopf? Zu fügen habt ihr euch, und ihr werdet euch fügen,
solange wir leben.
Ellen stand hinter ihrem Stuhl und wiegte ihn langsam hin und her,
sie fühlte, wie jedes Wort kalt an ihr herunterlief, und die ganze
jahrelange Erbitterung regte sich in ihr gegen diese zermalmende
Strenge. Und der Vater wurde immer heftiger, ging rasch hin und
her und blieb dann vor ihr stehen.
Ihr habt nichts getan, ihr beiden, wie uns das Leben verbittert, seit
Jahren -
Sie zitterte innerlich vor seinem Zorn und wollte nichts sagen, aber
plötzlich fuhr es ihr heraus: Ja, weil ihr uns unsere Jugend nehmen
wollt.
Nimm dich in acht, Ellen, schrie er auf und machte einen Schritt
auf sie zu. Ellen rührte sich nicht, und dann kehrte er rasch um und
ging ins Wohnzimmer hinüber.
Kronsee, den 3. August
Liebe Lisa - dieser Brief gilt Euch allen - und lest ihn mit Andacht, es
ist der erste Schrei aus meiner Gefangenschaft, der ein
menschliches Ohr erreicht. Ich bin ja selbst von Detlev
abgeschnitten, kann ihn weder sehen, noch ihm schreiben. - Und
was mögt Ihr gedacht haben, als der berühmte Krach, den wir uns
immer wie mit Freiheitsposaunen vorstellten, so abgelaufen ist - am
Ende denkt Ihr gar, ich habe mich 'gefügt'. Aber ich schwöre Euch
bei allen unsern Göttern: Ellen Olestjerne wird sich niemals fügen.
Das war eine Zeit, Lisa, diese letzten acht Wochen und jetzt immer
noch! Zähneknirschen und Wutschäumen sind nur schwache Worte
für das, was ich von Morgen bis Abend empfinde.
Aber nun alles der Reihe nach: zuerst kam die Reise nach meiner
alten Heimat. - Sie wissen, ich war bei Bekannten in Halmby, unsrer
kleinen Seestadt bei Nevershuus. Es war so schön, alles
wiederzusehen, ganze Sommertage am Strande zu liegen, die alten
Wege zu gehen und ganz sein eigner Herr zu sein, denn dort
kümmerte sich niemand darum, was ich tat. Ich habe wirklich einmal
nur so hinausgeschrien vor Lebensfreude nach all den bedrückten
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