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Eines Vormittags spielten die beiden Jüngsten im Garten. Seit dem
Frühstück hatten sie niemand von den anderen gesehen, und unten
im Schloß war alles still.
Gegen Mittag kam Erik aus dem Haus, er setzte sich auf die eiserne
Treppe, und Ellen hörte, daß er laut weinte. Sie rannten zu ihm hin
und quälten ihn mit Fragen, aber er schluchzte nur immer lauter.
Kai ist tot!
Tot - Ellen empfand nur einen furchtbaren Schrecken, ein Gefühl
von kalter, beklemmender Angst, wie sie es noch nie am hellen
Tage gehabt hatte. Sie klammerte sich fest an Erik und weinte
entsetzt mit. Detlev wurde auch bange, er wußte nicht, was das
alles bedeuten sollte, und rief laut nach Mama. Statt dessen kam
die alte Stina heraus, ihr Gesicht war ganz verstört und
zusammengefallen - die Kinder hatten sie noch nie in Tränen
gesehen.
Ihr müßt ganz ruhig sein, ihr könnt jetzt nicht zu Mama.
Dann ging sie mit ihnen durch den Garten. Sie saßen am Abhang
dicht beim Schloßgraben, und Stina und Erik sprachen darüber, ob
Kai wohl in den Himmel gekommen sei: ja, gewiß war er das - Kai
war ja ein so guter Junge, hatte so viel gebetet, noch in den letzten
Tagen - denn er wußte ja selbst, daß er nicht wieder gesund würde.
Ellen hörte schweigend zu: wie konnte sie das so sicher wissen -
und wie war es wohl im Himmel? Sie wußte sich nichts darunter
vorzustellen, und dann kamen andere bange Gedanken: wenn sie
selbst stürbe - sie käme gewiß nicht in den Himmel, weil sie so
schlecht war.
Später kam Marianne und holte die Kinder ins Wohnzimmer. Dann
gingen alle zusammen hinauf. - Alles war so still und unheimlich,
Kai lag im Bett wie sonst, wie er die ganze Zeit dagelegen hatte, nur
etwas blasser und mit gefalteten Händen. Ellen hatte ihren Vater an
der Hand gefaßt; es war so sonderbar und so schrecklich, daß die
Erwachsenen alle weinten und daß Kai wirklich tot war. Und wie
konnte er im Himmel sein, wenn er doch hier tot auf dem Bett lag?
Die Mutter wußte den Tod ihres ältesten Jungen kaum zu
verwinden. Lange Zeit hindurch war sie leidend und schwermütig
und konnte es nicht ertragen, die Kinder viel um sich zu haben, die
immer wieder von Kai sprachen und nach ihm fragten.
So wurde für die beiden Kleinen eine Gouvernante ins Haus
genommen, und Ellen bekam nun regelmäßige Stunden, Tag für
Tag, unerbittlich. Sie mochte immer noch nicht lernen, und es wurde
ihr bitterschwer stillzusitzen. Einförmig liefen die Tage hin unter
vielen Tränen und ewigem Nachsitzen.
Als Detlev größer wurde, fing er an mitzulernen; er war auffallend
begabt und hatte die Schwester bald eingeholt. Man wurde sich nun
darüber klar, daß Ellen wirklich dumm sei, und sie tröstete sich
selbst damit: ich kann nun einmal nicht lernen. Aber im ganzen war
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