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Und dann, daß er es seiner Mutter sagte, damit sie sich ungestört
sehen konnten. Als Frau Allersen von Verlobung sprach und Ellen
als Tochter umarmte, wäre sie am liebsten davongelaufen. Das
schien ihr alles so sinnlos, so gut bürgerlich und gänzlich unmodern
- war nicht das, was sie wollte.
Der erste Schnee fiel. Ellen stand am Fenster und sah die Flocken
wirbeln. Von jeher war ihr das eine so ganz besondere Stimmung
gewesen, etwas von Heimatssehnen und Weihnachten.
Sie wollte eigentlich an Allersen schreiben, und der Brief lag
angefangen. Aber immer wieder kamen andere Gedanken - in der
kurzen Zeit, seit er fort war, schien ihr alles verändert und am
meisten sie selbst. - Er hatte sie die ersten Schritte gelehrt und sie
dann alleine gelassen, - sie sollte auf ihn warten, und schon fing es
an, sie wie eine unerträgliche Fessel zu drücken, daß sie an diesen
einen Mann gebunden war. Sie meinte zu ahnen, daß sie sich doch
niemals so ganz binden könnte; wie sollte man es wissen, ob nicht
immer und immer wieder ein andrer kam? Denn kaum war er fort
gewesen, so hatte sie schon wieder an einen andern gedacht und
dachte jetzt unaufhörlich an ihn. Ellen hatte keine Ahnung, wer er
war - sie begegneten sich eine Zeitlang fast täglich, und dann
sprach er sie eines Abends an. Es war ihr auch ganz gleichgültig zu
wissen, wie er hieß, für sie war er gar kein Mensch mit irgendeinem
Namen - er war die Versuchung selbst - der Versucher in
irgendeiner Menschengestalt, der plötzlich vor ihr auftauchte, wenn
sie abends zur Stunde oder ins Theater ging - er sprach auch nicht
laut wie andere - er raunte nur, wich nicht von ihrer Seite und raunte
ihr geheimnisvolle Lockungen zu:
Komm mit mir, bei mir ist der Rausch, nach dem du verlangst -
komm mit mir, ich will dich alle Geheimnisse und Wunder lehren, die
du noch nicht kennst.
Und dies diabolische Lachen, mit dem er dann wieder im
Straßengewühl untertauchte, wenn sie alle ihre Kraft
zusammennahm und nein sagte. Tagelang bebte es in ihr nach, als
ob wirbelnde Wogen um sie her brandeten; und wie es lockte und
reizte, da hineinzustürzen, Hals über Kopf, alles vergessen, über
sich hinbrausen lassen.
Ihr ganzes Wesen schlug um, sie arbeitete nicht mehr, dachte nicht
mehr mit tiefem Ernst über alle möglichen Dinge nach - sie träumte
nur noch von einem Rausch ohne Grenzen und Ende. Und diese
Träume ließen sie Tag und Nacht nicht los.
Immer wieder sah sie sich in einem rotdurchleuchteten Zimmer, die
Wände, die Teppiche, alles brannte in Rot - rote Ampeln, rote
Gläser, in denen der Wein rote Schaumperlen warf. Alles mußte
funkeln und leuchten - und ein Ruhebett war da, mit seidenen
Kissen und durchscheinenden Vorhängen. Und er war da - der
Versucher - und sie tranken Wein - immer näher zog er sie an sich -
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