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band eine dumpfe, schwere Kette los, sagte etwas, was kein
Mensch sagen konnte oder je gesagt hatte, wonach man im
Dunkeln herumgetappt hatte und geglaubt, es nie zu finden. Das
war nicht mehr Verstehen und Begreifen - es war Offenbarung,
letzte äußerste Erkenntnis, die mit Posaunen schmetterte -
brausend, berauschend, überwältigend. Und alles andere, der
Alltag, das Alltagsleben und -Empfinden schrumpfte in eine öde,
farblose Masse zusammen, verlor sein Dasein - nur das wahre, das
heilige, große Leben leuchtete und lachte und tanzte.
Sie konnten sich nicht mehr zurückfinden - noch spät in der Nacht
saß der Bruder an Ellens Bett und las immer weiter - wie aus einer
andern Welt hörten sie Eltern und Schwester heimkommen, die
Haustür zufallen und alles wieder ruhig werden.
Und von nun an lasen sie jeden Abend, der Zarathustra wurde ihre
Bibel, die geweihte Quelle, aus der sie immer wieder tranken und
die sie wie ein Heiligtum verehrten. Auch wenn sie mit ihren
Freunden zusammen waren, - da gab es Gespräche, bei denen sie
alle fieberten: die alte morsche Welt mit ihrer Gesellschaft und
ihrem Christentum fiel in Trümmer, und die neue Welt, das waren
sie selbst mit ihrer Jugend, ihrer Kraft, mit allem, was sie schaffen
und ausrichten wollten. Es war wie ein gärender Frühlingssturm in
ihnen, jeder träumte von einem ungeheuren Lebenswerk, und sie
alle hätten sich jeden Tag für ihr Lebensrecht und ihre Überzeugung
hinschlachten lassen, wenn es nötig gewesen wäre.
Aber noch im Laufe dieses Winters schmolz der Ibsenklub immer
mehr zusammen, und das war ein großer Schmerz. Olafson, der
Apostel aus dem Norden, der die neuen Lehren zuerst in die
würdige alte Patrizierstadt gebracht hatte, war wieder nach Paris.
Nach Weihnachten ging auch Marga Seebald ins Ausland, von der
Detlev sagte: Marga ist wie das Meer. Sie war älter wie die übrigen
und die Seele der ganzen Gesellschaft mit ihrer größeren Reife und
Erfahrung. Die anderen Schwestern verließen auch bald
nacheinander die Stadt, und die Zurückgebliebenen mochten kaum
mehr an dem Hause vorübergehen, das jetzt so leer und fremd
dastand.
Das Frühjahr rückte heran. Detlev und Friedrich Merold steckten im
Examen, dann war es bestanden, und sie sollten zusammen nach
Berlin, um zu studieren. Die waren nun frei und hatten das Leben
vor sich - alle, alle gingen sie hinaus, nur Ellen mußte
zurückbleiben, einsam und zähneknirschend ihre Ketten schleppen.
Sie machten noch einen letzten Abendgang zusammen, sie und
Friedl, während die Eltern wieder einmal ausgegangen waren.
Detlev blieb diesmal zu Hause.
In einer Seitenstraße trafen sie sich und gingen durch die Vorstadt
hinaus, verirrten sich in unbekannte Gegenden, stiegen über
Planken und Gitter, quer über Höfe und Lagerplätze. Endlich waren
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