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getanzt. Es ist hier überhaupt ein ideales, verwöhntes Landleben -
so ganz leicht wird es mir doch nicht, von alledem Abschied zu
nehmen.
Aber ich denke daran, daß wir uns dann wiedersehen - endlich,
nach all den Monaten. - Und Ostern schon geht ihr beiden von der
Schule - und ich bleibe ganz allein. Deshalb habe ich jetzt auch Eile,
zurückzukommen, damit wir wenigstens dies halbe Jahr voll
genießen können. Und es soll so schön werden.
L
Deinen Brief, daß Du für die Ferien verreistest, bekam ich erst
heute morgen und fuhr mit sehr gemischten Gefühlen hierher.
Detlev ist ja auch noch nicht da, und ich mit den Eltern allein.
Vorhin habe ich meine Malsachen eingepackt - mir war dabei, als
ob ich jemand Geliebten in den Sarg legte, aber ich glaube an eine
Auferstehung. - Dann den Schreibtisch ans Fenster gerückt, damit
ich Dich immer sehen kann, wenn Du zu Detlev kommst. - Als ich
gerade dabei war, kam meine Mutter und sprach mit mir über das
Seminar. Ich sollte nur recht fleißig sein, und wir wollten jetzt in
Frieden leben. Das schnitt mir durchs Herz, Friedl, früher hat sie nie
so mit mir gesprochen. Ich glaube, sie hat jetzt Angst, daß sie uns
doch einmal ganz verlieren könnte. Mama ist überhaupt ganz
anders geworden, sie hat etwas Milderes, das ich sonst an ihr nicht
kenne, und wenn sie nur gut mit mir ist, habe ich sie doch wieder so
lieb. - Aber es ist zu spät - gerade in dem Augenblick fühlte ich
auch, wie sehr ich schon losgelöst bin. - Sieh, Friedl, von Natur ist
mir alle Unwahrheit verhaßt, aber sie haben mich selbst da
hineingetrieben. Du hast ja recht, daß gerade wir als Kämpfer für
unsre Ideen alle Lüge verschmähen und unantastbar dastehen
sollen. Aber jetzt noch würde es dasselbe bedeuten, wie die Waffen
aus der Hand geben und verzichten. Selbst der Weg zur Wahrheit
steht uns noch nicht offen. Ach, Friedl, wir werden noch viel bluten
müssen um unsre Freiheit; sagt nicht Lassalle irgendwo, daß wir
alle Gladiatoren der neuen Zeit wären?
Von jetzt an wird mein ganzes Zuhauseleben nur noch Schein und
Verstellung sein, jedes Wort, das ich sage - mein wahres Leben
liegt anderswo - mit Euch. Aber wenn ich so allein bin, ist mir oft, als
ob ich diesem Widerspruch erliegen müßte - jeden Schritt zu mir
selbst mit Lügen erkaufen. Aber es muß sein und ich werde die
Kraft auch finden. - Und wie lange wird es dauern, bis einmal alles
herauskommt - mir ist, als ob ich auf einer Pulvertonne lebte, die
jeden Augenblick in die Luft fliegen kann.
Wenn Du nur erst hier wärest... -
Ellen stand am Fenster und hörte durch Herbstwind und Regen vom
nahen Bahnhof herüber die Züge pfeifen. Heute abend sollte Friedl
ankommen.
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