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gesprochen, hab Dank, daß Du sie schicktest. Ja, ich kann
begreifen, wie sie Dich erschüttert hat, uns ist es ebenso gegangen,
gerade durch all die furchtbaren Wahrheiten. - Mein Gott, so
verbinden sie einem die Augen bei dieser idiotischen Erziehung,
und wenn man sie aufmacht, sieht man in einen Abgrund. Hab auch
Dank für alles, was Du mir gesagt hast, ja, wir wenigstens wollen in
unsrer Liebe nach Reinheit und Wahrheit streben. - Gott, Friedl,
wenn ich Dich nicht hätte und den ganzen Reichtum unsrer Liebe -
Abends -
Heute nachmittag ist mein Vater gekommen, und es gab eine
große Unterredung. Also: ich trete diesen Herbst ins Seminar ein
und muß dann zweiundeinhalb Jahre drinbleiben - zu Hause. Mir
graut doch davor - denk Dir, die ganze Zeit nicht malen können.
Vielleicht geht es auch in anderthalb Jahren, wenn ich mich sehr
anstrenge, dann wäre ich gerade zwanzig - Gott, und dann - -
Übrigens hat er mich auch arg verdonnert - es wäre ein letzter
Versuch, ich würde ja auch dort wahrscheinlich wieder
hinausgeworfen werden, wenn ich mich nicht mehr
zusammennähme. - Er wüßte auch, daß ich Detlev aufhetzte und
daß wir beide eine Verschwörung im Hause bildeten mit unsern
sogenannten freien Ansichten. Fortlassen würde er mich nie, wenn
ich mich nicht änderte. Ach Du, mir fehlt doch im Grunde die
moralische Kraft, um das alles auszuhalten - ich glaube, davon
hab ich überhaupt nicht viel. Wenn mein Ziel nicht wäre.
Vorläufig bleibe ich noch hier - es ist auch ganz nett, nur diesen
Sommer etwas unruhig; fortwährend muß man ausfahren, Theater
spielen und so weiter. Früher ließ meine Tante mich den ganzen
Tag arbeiten, jetzt findet sie, ein junges Mädchen muß sich vor
allem amüsieren. Gott ja, ich amüsiere mich auch, aber es bekommt
mir innerlich nicht, ich gerate zu leicht in das hinein, was Detlev
meine Tobsucht nennt. Und das ist natürlich auch wieder nicht
recht: ein junges Mädchen muß immer die Grenzen innehalten! -
Aber wenn ich einmal anfange, kann ich das nicht. Ich möchte dann
nur losrasen und alles vergessen, bis ich zusammenklappe, und
dann wieder von vorne an und so durch alle Tiefen und Höhen des
Lebens durch, bis es aus ist. Weißt Du, was man so inneren Halt
nennt, ich glaube, das fehlt mir gänzlich. Das mußt Du mir geben,
Du hast so viel davon - und in Deiner Liebe werde ich es finden.
Allenberg, 15. August
Nun bin ich schon wieder anderswo, Du siehst, ich suche noch die
sämtlichen Güter heim, ehe ich mich ins Seminar begrabe. - Hier
bin ich alle Tage schon bei Sonnenaufgang an der See und bade
ganz alleine. Es ist wundervoll, so allein in das kühle, goldene
Wasser hineinzuschwimmen, während der ganze Himmel rot ist.
Sonst beschäftigen wir uns damit, ein paar störrische Esel
zuzureiten ohne Sattel und Zügel, und abends wird fast immer
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