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es steigt mir immer so zu Kopf. Ich bin so entsetzlich wild, Friedl, ich
könnte tanzen, bis ich tot umfalle.
12. Juni
Friedl, ich habe einen großen Schritt getan - meinem Vater
geschrieben, er sollte mich das Lehrerinnenexamen machen lassen.
Ich habe es mir in dieser Zeit eingehend überlegt. - So lassen sie
mich doch nicht fort, und dann kann ich mich wenigstens auf eigne
Füße stellen, wenn es zum Klappen kommt. Und mir das Geld zum
Malen selbst verdienen. Ich habe mir schon alles ausgerechnet,
wenn ich erst mal für ein Jahr genug habe, gehe ich nach München,
und das Weitere findet sich.
Es ist nur ein greulicher Gedanke, alles andre liegen zu lassen und
sich wieder hinter die Schulbücher zu setzen. - Übrigens habe ich
Papa gesagt, wenn er mir dies nicht erlaubte, würde ich mich
weigern, überhaupt wieder nach Hause zu kommen.
Du, Schatz, durch Detlev habe ich erfahren, daß man mich
möglichst viel auf Bälle und solche Sachen schickt, weil Mama hofft,
es würde sich doch mal jemand zum Heiraten finden. Momentan ist
hier das ganze Haus voll von Offizieren zur Jagd. Ich halte ihnen
Reden über Ibsen und moderne Ideen. Wenn sie morgens in den
Garten kommen, sitze ich im Kirschbaum, und sie müssen bitten,
daß ich ihnen Kirschen hinunterwerfe. Die werden sich schwer
hüten, mich zu heiraten. Überhaupt macht es mir furchtbaren Spaß,
die Leute vor den Kopf zu stoßen, besonders diese aristokratische
Bande.
Ich bin aus meinem Zimmer ausquartiert und wohne in einer
Bodenkammer, droben ist ein plattes Dach, auf dem ich gestern
nacht geschlafen habe, das war herrlich.
In acht Tagen fahre ich nach D
zu Tante Helmine und treffe
Detlev dort. Leb wohl -
D
, 25. Juni, vier Uhr morgens
Liebster Friedl - Detlev weiß alles - gestern abend habe ich es ihm
gesagt, bis jetzt haben wir zusammen auf seinem Bett gesessen
und gesprochen. Er war so furchtbar lieb, freut sich so an unserm
Glück - und will uns helfen, so viel er kann. Jetzt hab ich ihn ganz
wieder, wie in unsrer Kindheit. Dann hat er mir auch vieles von sich
selbst erzählt, was ich noch nicht wußte - ich kann dir nicht sagen,
wie es mich erschüttert hat und auch tief bewegt. Detlev fühlt sich ja
so unglücklich und denkt nur an Maria N., ob sie ihn wohl doch noch
lieben wird. Nicht wahr, wir wollen tun, was wir können, um ihn
froher zu machen - Du bist ihm ja ein solcher Halt.
3. Juli
Morgen fährt Detlev nun fort zu Euch - ich mag ihn gar nicht
hergeben, was haben wir hier für Abende gehabt, wenn die Tante
zu Bett ist und wir noch stundenlang zusammen redeten, von Dir,
von ihm und von allem. Auch über die Kreutzersonate haben wir viel
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