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24. April
Warum kamst Du gestern nicht? Du fehltest mir so unter den
anderen. Gerade dann, wenn es lustig und laut ist, kommt mir auf
einmal eine solche Sehnsucht nach Dir. -
Wir trafen uns vorm Tor, der ganze Ibsenklub, und zogen in
irgendein Wirtshaus weit draußen an der Landstraße, wo wir zur
Feier des Karfreitags Grog tranken und sehr viel Lärm machten. Auf
dem Rückweg kamen wir an der kleinen Kirche vorbei und hüpften
im Gänsemarsch oben auf der Mauer entlang, als plötzlich die
Türen aufgingen und die andächtige Gemeinde herausströmte. Wir
machten, daß wir herunterkamen, und tanzten alle angefaßt um
Lisa herum, die nicht mitgewollt hatte. Die Kirchenbesucher und
Vorübergehenden schienen einigen Anstoß daran zu nehmen, und
wir wurden verschiedentlich ermahnt weiterzugehen. Es war zu
schade, daß Du nicht da warst. - Detlev und ich kamen noch etwas
angesäuselt zu Tisch und wurden mit einem Donnerwetter über
unser langes Ausbleiben empfangen. - Sie sind auch außer sich,
weil wir uns weigerten, morgen mit zur Kommunion zu gehen, den
ganzen Abend wurde kein Wort gesprochen - aber wäre es nicht
Feigheit, es um des Friedens willen doch zu tun?
2. Mai
Das ist nun unwiderruflich der letzte Abend - für Monate. Eben bin
ich noch mit unsrem alten Nero im Mondschein durch den Garten
gegangen - und mir war ganz wehmütig dabei. Dies Tier ist das
einzige Wesen, das hier zu Hause wirklich an mir hängt und mich
vielleicht etwas entbehren wird.
Nein, es ist nur gut, daß ich fortkomme, dieser Zustand reibt mich
auf. Immer liegt es wie ein dunkler Schatten über meinem Leben,
das sonst so froh und licht sein könnte. Friedl, denke daran, daß ich
keine Mutter habe, nie gewußt, was Mutterliebe ist - das alles mußt
Du mir ersetzen, und Du tust es ja schon. So leb wohl, Du einzig
Geliebter, wann werden wir uns nun wiedersehen? Wann wird
wieder eine Blume von Dir vor meinem Bette stehen, wenn ich
einschlafe? Du wirst wohl oft zu meinem leeren Fenster
hinaufsehen - es ist mir ein Trost, daß Du oft mit Detlev zusammen
bist, den werde ich auch schwer vermissen.
Leb wohl, ich schreibe Dir so bald wie möglich.
Balsdorf, 4. Mai
Nun sind wir so weit auseinander, und das Herz tut mir so weh. Ich
denke den ganzen Tag an Dich, an alle die einzelnen Stunden, die
wir zusammen waren und an jene allerschönste auf dem Kirchhof,
wo Du mir Deine Liebe sagtest. Immer wieder zog das alles an mir
vorbei. Wie hab' ich mich heute auf diesen Augenblick gefreut - ich
bin allein in meinem Zimmer und Dein Bild steht vor mir - ich seh' in
Deine Augen - draußen über den dunklen Tannen der Mond, und im
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