| |
ganze Wirklichkeit um mich versunken wäre - ich weiß nur noch
unsre Liebe, und daß uns nichts mehr trennen kann.
Abends
Und dieser Tag ist verschont geblieben von all den Dissonanzen,
die mich sonst quälen und zerreißen. Ich war ganz alleine mit den
Eltern, und es fiel ausnahmsweise kein böses Wort zwischen uns.
Mein Gott, und wenn sie einmal mit mir so sind, fühle ich auch
wieder, wie ich sie im Grunde doch liebe. Ich war in einer so
weichen Stimmung, daß ich ihnen am liebsten um den Hals gefallen
wäre.
Gute Nacht, Geliebter, meine ganze Seele ist bei Dir und gehört Dir.
Mein Fenster steht weit offen, die Luft ist voller Frühling, und in mein
Leben ist zum erstenmal Sonne gekommen.
21. April
Hab Dank für Deinen Brief - wenn Du wüßtest, wie mich Deine
Worte glücklich machen und auch wieder traurig. Ach, Friedl, daß
wir jetzt an eine lange Trennung denken müssen, wo wir uns eben
erst gefunden haben - das ist sehr schwer. - Aber es war schon
lange festgesetzt, daß ich für diesen Sommer zu meinen
Verwandten sollte. Länger wie ein halbes Jahr können sie mich hier
zu Hause ja nicht ertragen. Aber sieh, wir können ja auch aus der
Ferne alles miteinander teilen - wir müssen um unsrer Liebe willen
alles ertragen, und ist es nicht geradeso schön, daß niemand darum
weiß? - Und ich weiß doch nicht, wie ich nur einen Tag ohne Dich
leben soll, und nun erst Wochen und Monate....
Ich muß Dir heute abend noch ein Wort schreiben und Dir immer
wieder sagen, wie glücklich ich bin. Endlich - endlich ist es Frühling
geworden, und ich komme mir wirklich vor wie ein Baum, der
Knospen treibt. Ich sehe nun endlich das Leben vor mir liegen - in
Schönheit und Freiheit, nur die letzten Schranken gilt es noch
einzurennen, und sie sollen und müssen fallen. Herrgott, wir sind ja
noch so jung - die paar Jahre, bis ich mündig bin, werde ich wohl
noch aushalten, und dann soll keine Macht der Welt mich zwingen,
noch zu bleiben. Sollte ich etwa mit gebundenen Händen immer
weiter zusehen, wie man mir mein Leben zertritt, bis die Jugend
vorbei ist und alles zu spät?
Nein, siehst Du, Friedl, ich muß hinaus aus alledem, sonst gehe ich
innerlich zugrunde. - Und denke Dir nur, wie göttlich es werden
kann, wenn wir beide in München wären - Du studierst und ich
male, und wir lieben uns, wie noch nie zwei Menschen sich geliebt
haben. - Ich sitze oft stundenlang da und stelle mir das alles vor,
und es wird immer leuchtender in mir. Aber es macht vor allem
Deine Liebe, und daß ich jetzt endlich einmal fühle, was Glück ist -
da blüht dann auch alles andre auf. Sag mir nur immer wieder,
jeden Tag, daß Du mich lieb hast -
Ich küsse Dich tausendmal...
|  |
|
| |
|
|