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Ellen Olestjerne

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Eigentlich war sie überflüssig und wurde fortwährend hin und her geschoben. Wenn Erik ihre Gesellschaft wünschte, durfte sie mit zu Nachbarskindern oder Besuchen, wußte er nichts mehr mit ihr anzufangen, so wanderte sie wieder in die Kinderstube. Und er konnte sie nur brauchen, solange sie sein willenloses Werkzeug und Echo war, Löcher wühlte, wo er Bäume pflanzen wollte, ihm die Bälle aufsammelte oder auch nur dabeistand und seine Taten bewunderte. Aber mit der Zeit bekam sie ihren eignen Kopf, wurde eigensinnig und ungefällig und wandte sich immer mehr dem kleineren Bruder zu. Im Grunde fuhr sie dabei noch schlechter wie früher, denn war schon Erik verzogen und bewundert, so wurde Detlev, das goldhaarige Jüngste, vom ganzen Hause vergöttert und stellte sie völlig in den Schatten. Dazu kam noch, daß sie jetzt die Ältere war und für alles, was sie zusammen verbrachen, die Verantwortung zu tragen hatte. Ellen kam allmählich zu dem Schluß, es läge alles nur daran, daß sie ein Mädchen war; das bekam sie ja unzählige Male zu hören: Kleine Mädchen dürfen nicht so wild sein - kleine Mädchen klettern nicht auf Bäume - kleine Mädchen müssen ihre Kleider schonen - diese verwünschten rosa und weißen Kleider, die sie zu Tisch anbekam und die immer gleich zerrissen oder schmutzig waren. Manchmal klagte sie dann verzweifelt dem Mädchen ihr Leid: „Wenn ich doch nur ein Junge wäre!“ Und Lise tröstete sie: „Warte nur, bis du sechs Jahre alt bist, dann wirst du einer.“ Der sechste Geburtstag kam und brachte ihr die erste, schwere Enttäuschung. Als sie aufwachte, wollte sie Kleider von Erik anziehen, denn jetzt war sie doch ein Junge und wollte auch verzogen und bewundert werden. Aber sie wurde nur entsetzlich ausgelacht, selbst der Vater lachte mit, und dann erfuhr sie, daß sie immer ein Mädchen bleiben müßte. An dem Tage konnte Ellen sich über nichts mehr freuen. Dafür war sie nun sechs Jahre alt und sollte anfangen, lesen zu lernen, neben Mama auf der grünen Gartenbank stillsitzen mit den schrecklichen Buchstaben vor sich, die man nie behalten konnte. Die Buchen waren eben erst grün geworden, die Luft voller Bienensummen und sommerlichem Gezwitscher. Das machte Ellen so zerstreut, daß es mit dem Lesen durchaus nicht gehen wollte. Drüben schaufelte Detlev in dem großen, weißen Sandhaufen, jeden Augenblick schielte sie sehnsüchtig zu ihm hinüber. Aber die Mutter ließ nicht aus, sie nähte und schalt, während Ellen wahre Fieberphantasien buchstabierte. Fast regelmäßig endete es mit Klappsen und Tränen, und dann kam das Allerschlimmste: der lange, graue Strumpf, au dem sie zur Strafe stricken mußte, - der Strumpf, der nie ein Ende nahm und auf den viele, viele Tränen hinunterliefen, während Detlev im Sand spielte und die Sonne schien.
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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