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Ob sie Lust hatte! Ellen riß beinahe das Tischtuch mit Lampe und
allem herunter und fiel der Tante um den Hals.
Und wenn die sagt, daß du Talent hast, lassen sie dich vielleicht
auch zu Hause dabei. Dann hast du wenigstens eine Arbeit, die dir
Freude macht.
Ellen bekam ein Zimmer als Atelier eingerichtet und warf sich gleich
vom ersten Tage an mit Heißhunger auf die Arbeit, mit ihrer vollen,
gesunden Jugendkraft, die sie bisher fast wie etwas Überflüssiges
gedrückt hatte und jetzt mit einemmal in ihr aufjauchzte, weil sie ein
Ziel bekam und das Ziel, das ihr glühendster Wunsch war. Am
liebsten stand sie die ganzen, langen Sommertage vor der Staffelei
oder streifte mit dem Skizzenbuch draußen herum, statt mit der
Tante auf Besuche zu fahren oder Vergnügungen mitzumachen.
Ihre Lehrerin betete sie etwas scheu und aus der Ferne an - eine
Künstlerin, die in Paris und München gewesen war, ein Wesen aus
einer ganz andern Welt, von der Ellen nichts geahnt hatte und alles
mit staunender Glut verschlang, was sie jetzt erfuhr. Sie schämte
sich ihrer bodenlosen Unwissenheit - hatte noch nie ein richtiges
Bild gesehen, nicht einmal gewußt, daß man nach lebenden
Modellen malte, und tat so dumme Fragen, daß Fräulein Hunius oft
lächelte. Und wie die da herumging zwischen all den beschränkten,
engherzigen Leuten - nur ihrer Kunst lebte. Nur der Kunst leben.
Ellen fing an zu ahnen, was das sein müßte. Wenn die Lehrerin zur
Stunde kam, stand sie bebend hinter ihr und folgte jedem Strich.
Und nur dann, wenn sie ihr Gesicht nicht sehen konnte, wagte sie
von sich selbst zu sprechen - wie sie sich auch so ganz in die Kunst
hineinstürzen möchte, nur dafür dasein und arbeiten bis aufs Blut,
trotz aller Hindernisse. Und was für Hindernisse standen ihr
entgegen - das meinte Fräulein Hunius auch, die Ellens ganze
Verwandtschaft kannte. Sie sprach ihr auch von den
Enttäuschungen, daß Ellen noch so jung sei und sich wie alle
Anfangenden große Illusionen mache, die wohl meist nach und
nach zerschellten. Aber das bedrückte sie nicht weiter und sie
glaubte nicht daran. Es war eine Zeit, wo sich ihr alles in einen
Traum von immerwährender Glückseligkeit verwandelte, der ganze
Tag war ein ernstes Spiel mit frohen Kräften, und selbst in den
warmen Sommernächten wollte keine rechte Müdigkeit kommen.
Manchmal stand Ellen heimlich wieder auf, stieg aus dem niedrigen
Fenster und lief über den Rasenplatz zum Fluß hinunter, der am
Garten vorbeifloß. Da schaukelte sie sich in Tante Helminens
kleinem Boot oder tauchte in das dunkle, raschfließende Wasser
hinein, mit stiller Angst, daß die Tante sie gehört haben könnte.
Anfang Dezember schrieb die Mutter, Ellen müsse nun endlich
einmal wiederkommen. Die Tante ließ sie ungern gehen, denn sie
hatte große Freude an Ellens Fleiß und konnte ihre rastlose
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