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der bittren Weltschmerz atmete und endlose Klagen über Ellens
elendes Los. Und daneben ein dickes, ledernes Buch mit
selbstgeschriebenen Gedichten, das die Mutter noch nie gesehen
hatte. Sie nahm es mit ins Wohnzimmer, setzte ihre Brille auf und
las den ganzen Nachmittag. Als Ellen nach Hause kam, warf Mama
ihr das Buch vor die Füße.
Du hättest es verdient, daß ich es dir um die Ohren schlage. Was
ist das für ein unerhörtes Zeug? Schämst du dich denn nicht, so
was zusammenzuschmieren? Das hört jetzt auf, verstanden? - Und
was du da an deine Editha schreibst - du meinst wohl, daß dir arges
Unrecht geschieht, wenn du nicht all deinen verrückten
Einbildungen folgen sollst. Von jetzt an lese ich all deine Briefe,
verlaß dich darauf.
Ellen stand zuerst wie versteinert. Wie konnte Mama sich das
herausnehmen, in ihren tiefsten, innersten Geheimnissen
herumwühlen - ja, jetzt schämte sie sich allerdings - ihr war, als ob
man ihr alle Hüllen von der Seele gerissen hätte und dann kam eine
sinnlose Wut über sie. - Sie schrie der Mutter alles ins Gesicht, was
an Groll in ihr aufgespeichert war.
Ich wollte, ich wäre Gott weiß wo, nur nicht mehr bei euch, in dieser
Hölle. Aber ich laß es mir nicht mehr gefallen. Lieber lauf ich fort
oder bring mich um.
Einen Augenblick war es ganz still im Zimmer - Ellen hatte den Arm
erhoben in drohender Abwehr: Rühr mich nicht an, Mama! Denn
die Mutter hatte sie schlagen wollen.
Ellen kam wieder fort von zu Hause. Der Vater hatte sie zu sich
rufen lassen und lange mit ihr darüber gesprochen. Ihr ganzer Trotz
zerfloß in Tränen - sie hatte nie geglaubt, daß Papa so gut wäre, so
vieles verstehen konnte und ihr helfen wollte.
So wurde sie denn auf längere Zeit zu ihrer Tante Helmine
Olestjerne geschickt. Es war eine jüngere Schwester des Freiherrn,
die für sich allein in ihrem eignen Hans und Garten lebte und eine
besondere Vorliebe dafür hatte, sich bedrängter Jugend
anzunehmen. Bei ihr konnte Ellen frei heraus mit allen ihren
Beschwerden und unruhigen Wünschen. Schon am ersten Abend,
als sie bei Tante Helmine in dem gemütlichen Wohnzimmer mit
altväterischen Möbeln und Familienbildern saß, erzählte sie all ihre
Erlebnisse zu Hause und in der Pension.
Die Tante hörte aufmerksam zu: Ja, mit deiner Mama ist es sehr
schwierig - ich habe sie auch manchmal nicht verstehen können. Du
bist ja jetzt groß genug, daß man mit dir darüber reden kann. Aber
bei mir sollst du dich nun einmal wirklich wohl fühlen und soviel
Freiheit haben, wie ich dir mit gutem Gewissen geben kann. Es ist
eine Malerin hier, bei der du Stunden nehmen kannst, wenn du so
große Lust dazu hast.
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