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lese. Ich sage dir deshalb auch immer wieder, du solltest dich an
Papa halten, der kann dir noch am ehesten helfen. Mir scheint
immer, daß ihr Jüngeren ihn eigentlich gar nicht kennt.
Er kümmert sich nicht viel um uns.
Das würde er schon tun, wenn ihr nur wolltet. Ich habe dir doch
gesagt, er wartet nur darauf, daß du kommst.
Das kann ich nicht - ich kann einfach nicht. Wofür soll ich ihn denn
um Verzeihung bitten? Daß dies infame Tier von Pröpstin mich nicht
leiden konnte? Ich möchte ihr heute noch den Hals umdrehen.
Ich auch, fuhr Detlev ingrimmig dazwischen; die Pröpstin haßte er
mit.
Vor ihnen lag das Dorf mit seinen Strohdächern und dem niedrigen,
stumpfen Kirchturm. Über den Heidehügel gingen sie zum Meer
hinunter, und Marianne pflückte Blumen für Papas Schreibtisch.
Dann saßen sie am Strand auf den großen Steinen, während die
Sonne langsam ins Meer hineinrollte wie eine große brennende
Kugel. Der Himmel loderte weithin auf, das Meer wurde rot, und die
Heidehügel glühten. Allmählich losch alles wieder aus und nun
wurde es rasch dunkel, die einzelnen Gestalten auf dem Deich
sahen aus wie schwarze Silhouetten.
Wenn man das malen könnte, sagte Ellen, überhaupt malen
können, alles, was es gibt.
Detlev lachte: Immer noch Vogelbauer, Ellen! Du bist doch noch
geradeso wie früher.
Ja, aber ich werde meine jetzigen Vogelbauer doch noch einmal
zusammenkriegen, darauf könnt ihr euch verlassen.
Sie gingen jetzt rasch den Deich entlang und sprachen von der
großen Sturmflut vor acht Jahren. Es war die lange gerade Strecke,
wo damals der Deich beinah gebrochen und nur einen Meter breit
stehengeblieben war. Wie da die haushohen Wellen
herüberschlugen und die Menschen, die sich hinauswagten, wie
Papierfetzen herumflogen. - Dann kam das rote Deichwärterhaus
mit dem kleinen, sonnenverbrannten Garten, der Bootschuppen,
das Dock, wo alte Schiffe zum Ausbessern lagen. Dicht beim Hafen
begegneten sie vielen Spaziergängern, immer die gleichen, die
jeden Abend hier herausgingen, all die bekannten Gesichter aus der
kleinen Stadt. Das Grüßen nahm kein Ende, hier und da mußten sie
auch stehenbleiben und ein paar Worte sprechen, bis sie endlich in
die schmalen Hafenstraßen einbogen, über den Markt unter dem
Rathausbogen durch und schließlich die dunkle Kastanienallee zum
Schloß gingen.
Ein paar Tage später, als Ellen zur Stadt war, ging die Mutter in ihr
Zimmer hinauf: Ich muß doch einmal sehen, was sie da immer
treibt, wenn sie allein ist, dachte sie. - Ellen hatte vergessen
wegzuräumen, da standen drei Bilder von Editha mit Blumen davor,
auf dem Tisch lag ein langer, angefangener Brief an die Freundin,
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