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Ich weiß nicht, was sie will und was sie braucht, ich kann dies Kind
nicht begreifen. Wie ist sie denn wiedergekommen - strahlend, daß
sie nicht mehr so viel zu lernen braucht und ihre dummen
Jungenstreiche mit Detlev fortsetzen kann. Keine Ahnung, daß sie
sich schämt, kein Wort, daß es ihr auch nur leid tut, uns das alles
angerichtet zu haben. Sie ist doch damals nur fortgekommen, weil
ich sah, daß es mit ihr und Mama nicht gehen wollte - um ihr zu
helfen. Aber sie hält alles, was man für sie tut, für Feindseligkeit und
Bosheit und widerstrebt blind und unvernünftig. - Sag du ihr das,
sprich einmal mit ihr. Wenn sie dann von selbst kommt, soll es gut
sein.
Aber Ellen kam nicht. Es nützt ja doch nichts, war die Antwort auf
alle Vorstellungen der älteren Schwester. - So wurde es ein
melancholischer Geburtstag. Als die andern nach Tisch vor der
Gartentür saßen, lief Ellen auf die Koppel hinaus. Was sollte sie da
droben? sie fühlte sich überflüssig, im Wege, ausgeschlossen. So
warf sie sich ins Gras und weinte - ja, die Heimat, die hatte sie nun
wieder, aber sonst war alles wie früher, täglicher Kampf und tägliche
Quälerei, nur noch rettungsloser und verfahrener durch die
unglückselige Pensionsgeschichte.
Später kam Marianne mit Detlev, sie fand, daß doch etwas
Festliches für Ellen geschehen müßte und wollte mit den beiden
ihren Lieblingsweg nach Olrup gehen - es war ein kleines Dorf
draußen am Meer.
Ellen bewunderte ihre Schwester sehr - die hatte ihre ganze Jugend
zu Hause verlebt und war nie unzufrieden, immer gleichmäßig in
ihrer stillen Heiterkeit. Sie kamen darauf zu sprechen, auf die Eltern
und alles.
Du mußt dir doch auch ziemlich viel gefallen lassen und darfst alles
mögliche nicht, meinte Ellen.
Aber es liegt mir auch meistens nicht so viel daran. Wenn Papa mir
zum Beispiel verbietet, irgendein Buch zu lesen, so weiß ich, daß er
seinen Grund dafür hat. Und ich finde, es bleibt immer noch so viel
Schönes, woran man sich freuen kann, daß das gar nicht in
Betracht kommt.
Ja, aber hast du jemals gesehen, daß Mama mir etwas aus einem
vernünftigen Grund nicht erlaubt? Sie verbietet nur, um zu
verbieten, oder weil sie alles überflüssig findet, was mir Freude
macht. Sie sagt, ich wäre faul und wollte nichts tun, aber warum läßt
sie mich nicht malen? Es ist das einzige, was ich mir wünsche und
was mir Freude macht. Dann würde ich mit Vergnügen den ganzen
Tag arbeiten. Aber sowie sie mich mit einem Skizzenbuch sieht,
heißt es: laß doch das alte Geschmier, es kommt ja doch nichts
dabei heraus.
Marianne zuckte die Achseln. Mama ist nun einmal dafür, daß man
nur nützliche Sachen tut, sie hat es auch nicht gern, wenn ich viel
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