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zerfetzten Tag aufwacht und nun alles zurechtbringen will, was
gestern nicht gelang.
Andern Tags reiste sie mit ihrer Mutter ab. An der Treppe stand die
Pröpstin und streckte ihr kalt die Hand zum Kuß hin. - Ah - zum
letztenmal diese Treppe, zum letztenmal dies harte, blanke Gesicht
mit den tiefgemeißelten Augenhöhlen, zum letztenmal dieser
Sklavenhandkuß!
Und dann das wehmütige Glück, in den Frühlingsabend
heimzufahren, heimwärts, nach Neverhuus, zu den Geschwistern -
und mit dem Versprechen, daß Editha sie nicht vergessen wollte.
Marianne Olestjerne war bei ihrem Vater im Zimmer und staubte
den mächtigen alten Schreibtisch ab. Mit bedächtigen, liebevollen
Bewegungen stellte sie die verblaßten Familienphotographien in
dunkel-braunen oder violetten Samtrahmen wieder hin und legte
vorsichtig die Papiere beiseite. Dann die lange Schale mit
Federhaltern und Bleistiften, jeder kam wieder an seinen Platz. Es
war wohl zu sehen, sie tat das alles mit Liebe und langjähriger
Gewohnheit, als ob jedes Stück Bedeutung und Leben hätte.
Der Freiherr saß am runden Mitteltisch vor dem Sofa und trank
seinen Morgenkaffee aus der großen kopenhagener Tasse. Diese
ganze Frühstunde ging vor sich wie eine heilige Handlung, die nicht
unterbrochen und gestört werden durfte. Marianne sah zu ihm
hinüber, während er die Zeitung durchsah und wieder hinlegte. Der
Vater war für sie der Beste und Geliebteste von allen, das, worum
sich ihr Tag und ihre Arbeit drehte.
Papa, sagte sie etwas leise.
Was willst du, mein Kind?
Papa, heute ist Ellens Geburtstag - willst du nicht wenigstens einen
Augenblick hinübergehen, wenn sie ihre Geschenke bekommt?
Ein unwilliger Zug ging um seinen Mund, er schob den Sessel weg
und ging durchs Zimmer. Ich warte nur darauf, daß sie zu mir
kommt.
Das wagt sie nicht, sagte die Schwester.
Unsinn, ich habe noch nie bemerkt, daß Ellen etwas nicht wagt.
Du hast es ihr auch nicht leicht gemacht, Papa, seit sie wieder hier
ist, hast du kein Wort mit ihr gesprochen. Das schüchtert sie ein und
Mama - -
Ich dachte, das ginge jetzt besser? - Ich habe wahrhaftig die Lust
verloren, mich drum zu kümmern.
Nein, es geht nicht besser, lieber Vater, ich weiß ja selbst, wie
schwer es mit Mama ist. Und Ellen ist noch so jung und hat nicht die
Überlegung. - Wir andern haben dich gehabt, und Ellen braucht
vielleicht mehr wie alle eine feste Hand, aber auch Liebe.
Er ging immer rascher, und Marianne fühlte seine Verstimmung aus
jedem Schritt.
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