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diesem Brauch aus: was haben die mir zu verzeihen, wenn ich mit
mir selbst und dem lieben Gott im reinen bin? Dann mußten sie alle
einzeln zur Pröpstin hereinkommen, man murmelte auch dort ein
paar Worte von Verzeihen und bekam einen Kuß auf die Stirn: - du
bist mir eine liebe Schülerin gewesen, gehe hin in Frieden.
Als Ellen kam, standen sie sich einen Augenblick gegenüber, beide
in tödlichem Widerwillen, die alte Dame und das fünfzehnjährige
Kind.
Hast du mir nichts zu sagen, Ellen Olestjerne?
Nein.
Auf die einzelnen Worte, die nun folgten, konnte Ellen sich nachher
nicht mehr recht besinnen. Die Pröpstin sprach eine Art Fluch über
sie aus und wies dann gebieterisch mit ihrem aristokratischen,
wohlgepflegten Zeigefinger nach der Tür.
Später gingen die jungen Mädchen auf dem Gang hin und her,
meist in ernsten Gesprächen, einige hatten auch große Sorge
wegen der Kleider für morgen und wie sie das Haar tragen sollten.
Trotz der Pröpstin war Ellen weich und froh gestimmt, das
Wiedersehen mit der Mutter war überstanden und sie hatte Editha
wieder, nach einer langen Unterredung.
Siehst du, ich mußte die letzte Zeit etwas Rücksicht nehmen. Du
weißt, ich bin von Kind an hier, die Alte hat sozusagen Mutterstelle
an mir vertreten und ist immer sehr nachsichtig gewesen. Sie
verlangte einfach von mir, daß ich den Verkehr mit dir abbrechen
sollte. Leicht ist es mir nicht geworden, aber du tatest ja immer, als
ob es dir ganz gleich wäre.
O Gott, nein, das war es nicht. Sie umarmten sich, und Ellen war
überselig.
Weißt du, wir wollen uns oft schreiben. Laß mich wissen, wie es dir
zu Hause ergeht.
Ja, und ich hab' noch eine Bitte -, schenk mir doch eine Locke von
dir.
Ellen durfte sich selbst eine abschneiden, sie hatte schon eine
ganze Edithasammlung bis zu weggeworfenen Stahlfedern,
heimlich abgeschnittenen Plaidfransen und alten Schreibheften,
aber die Locke kam in ein Medaillon, das sie immer unter dem Kleid
tragen wollte.
Die Osterglocken läuteten, und in weißen Kleidern mit langen
Schleppen stiegen die Konfirmandinnen die hohen Steinstufen
hinab, durch den dunklen, feuchtkalten Hausflur in die Kapelle.
Als Ellen vor dem Pfarrer kniete, war ihr, als ob seine Stimme für sie
einen ganz besonderen Klang hätte, der ihr allein galt, wie eine
feierliche Heimlichkeit zwischen ihnen. - Ihre Seele war voller Ernst
und wogte in einem frohen, morgenfrischen Gefühl. Mit diesem
Tage wollte sie ja ein neues Leben anfangen, es kam ihr jetzt so
leicht und hell vor, - wie wenn man nach einem mißglückten,
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