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wütete und die verratene Liebe. Manchmal wurden es auch
Rebellengesänge: Wie lange soll ich diese Schmach noch dulden -
wie lange diese Ketten tragen noch! oder: Es kreist mein Blut in
wildem schnellem Lauf - und alle Pulse hämmern laut. - Mein Stolz,
mein Selbstgefühl bäumt, ach, sich auf. - Zuviel, zuviel habt ihr mir
zugetraut.
Kurz vor Ostern kam noch die letzte Zeugnisverteilung. Das war
immer ein feierlicher, öffentlicher Akt, dem viele Ehrenpersonen aus
der Stadt beiwohnten und wo die Pröpstin eine Rede hielt. Diesmal
ging es wie ein Gewitter über die fünfzig Kinder hin, von denen
manche kaum mehr aufzusehen wagten.
Während ihrer zweiunddreißigjährigen Amtsführung habe sie noch
kein Jahr erlebt wie das letzte, - ein Geist des Aufruhrs ist in unsre
Anstalt eingedrungen, - unlautre Elemente, die wir leider erst zu
spät erkannt haben und die durch Leichtsinn und Gewissenlosigkeit
ein schlimmes Beispiel gaben, - und dann erhob sich ihre Stimme
immer lauter und strafender. - Derartige Elemente müssen
schonungslos ausgemerzt werden - es sind Krebsschäden, die nur
durch einen raschen Eingriff beseitigt werden können....
Ellen sah wohl, wie viele Blicke sich auf sie richteten, wenn auch
nicht ihr Name genannt wurde. Sie wollte die Augen nicht
niederschlagen und empfand es beinah wie einen Triumph: Ja, mit
mir seid ihr doch nicht fertig geworden.
An demselben Abend wurde sie zum Pfarrer gerufen, er sah sie
lange ernst an und sagte dann: Nein, Ellen, vor mir brauchen Sie
sich nicht zu fürchten, ich glaube zu wissen, wie es in Ihrem Innern
aussieht und daß Sie die Absicht haben, es von nun an anders
werden zu lassen. Denken Sie an das Wort: es wird Freude sein im
Himmel über einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig
Gerechten. Vor allem lassen Sie den schlimmen Widerspruchsgeist
und allen kindischen Trotz fahren, damit kommt man nicht durch die
Welt, Ellen. - Ich habe trotz alledem gutes Zutrauen zu Ihnen, denn
ich weiß, das Sie im Grunde nicht schlecht sind. Sie machen es nur
sich selbst und andern schwer. Aber Sie waren eine von meinen
besten Schülerinnen und ich möchte auch, daß Sie einer von
meinen besten Menschen werden. Ich will auch selbst mit Ihrer
Mutter sprechen, die wohl einigen Grund hat, ungehalten über Sie
zu sein. - Damit gab er ihr die Hand, und ihr liefen große Tränen
übers Gesicht.
Als am nächsten Tage die Mutter kam, war Ellen weich wie Wachs.
Und es ging viel besser ab, als sie gedacht hatte. Mama schien
doch nicht ganz mit der Pröpstin einverstanden, sie sprach viel mit
dein Pfarrer und war merkwürdig milde.
Vor der Beichte versöhnten sich die Konfirmandinnen untereinander
und suchten auch die Lehrerinnen auf, um in vollem Frieden mit
aller Welt das Abendmahl zu nehmen. - Ellen schloß sich von
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