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wenn Erik dabei war, ließ man die Kinder ruhig eine Zeitlang ohne
Aufsicht. Ellen folgte dem älteren Bruder durch dick und dünn und
zog den kleinen Detlev an der Hand hinter sich her. Mit vereinter
Anstrengung bekamen sie ihn über alle Gitter und Schwierigkeiten
weg, und wehe ihm, wenn er schrie oder sie verklagte.
In diesem Sommer war das Nachmittagsglück nicht mehr so
ungetrübt wie früher, denn seit Erik zur Schule ging, wurde er
hochmütig, fing an, Ellen, die sonst seine unzertrennliche Gefährtin
war, zu verachten um sich zu den Großen zu rechnen. Sie hatte
jetzt manches auszustehen - zuweilen fiel es ihm ein, ihr Unterricht
zu geben, sie sollte ihm Geschichten nacherzählen oder
Buchstaben in den Sand schreiben, und lehnte sie sich im Gefühl
ihrer Ohnmacht dagegen auf, so wurde sie einfach übergelegt und
durchgeprügelt. Manchmal kam dann Lise, das Kindermädchen, ihr
zu Hilfe:
Laß doch Ellen in Ruh', was hat sie dir getan?
Da brauchst du dich gar nicht hineinzumischen, sagte Erik
überlegen. Mama ist immer sehr strenge mit Ellen, und wenn sie
nicht da ist, muß ich Ellen verhauen, damit sie sich nichts einbildet.
Im ganzen war das Mädchen recht froh, ihn jetzt für einen Teil des
Tages los zu sein; wenn er wieder zur Schule war, ging sie mit den
beiden Kleinen auf die einsame Graskoppel hinter dem Garten, wo
Owe Jensen, der lange blonde Knecht, arbeitete. Und die ganze
Gesellschaft war dann sehr vergnügt, Owe ließ seine Arbeit liegen
und wanderte mit Lise langsam die breiten, grasüberwucherten
Wege entlang, während die Kinder Hand in Hand hinterdrein
trottelten. Zuweilen brachte er auch seinen Freund mit; das war Lise
zuerst nicht ganz recht gewesen, denn Klaus Sörens war eine Art
Räuberberühmtheit in der Umgegend und erst vor kurzem aus dem
Zuchthaus entlassen. Aber allmählich fand sie, daß es auch seine
Vorteile hatte, wenn er mitkam. Dann konnte sie ungestört mit Owe
im Gras liegen und brauchte sich nicht um die Kleinen zu
bekümmern. Detlev bekam einen schönen, weichen Platz, wo er
schlief oder mit den Beinen im Sonnenschein strampelte, und der
Zuchthäusler spielte mit Ellen. Sie liebte ihn leidenschaftlich und
war selig, wenn er mit ihr herumjagte oder ihr Blumen und
Erdbeeren pflückte. Man hatte ihr wohl eingeschärft, nichts davon
zu erzählen, und das tat sie auch nie. Bei Lise und ihren Freunden
fühlte sie sich viel wohler wie zu Hause, denn Mama und Prügel
kriegen waren so ziemlich die ersten Begriffe, die ihr Bewußtsein zu
fassen vermochte und die für sie in eins zusammenfielen.
Die kleine Ellen hatte schon frühzeitig ein dunkles Gefühl davon,
daß sie mit dem linken Fuß auf die Welt gekommen sein mußte. Sie
war ein etwas schwächliches, zurückgebliebenes und dabei
scheues, trotziges Kind, an dem niemand besondere Freude hatte,
und das zwischen den beiden Brüdern nicht recht zur Geltung kam.
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