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Am Montagmorgen kam Ellen noch halb verschlafen hinunter. Vor
ihrem Schrank stand Fräulein Blumener, die Wirtschaftsdame, mit
der turbanartigen, punktierten Haube und räumte die Sachen auf.
Was soll das?
Fragen Sie nicht so unverschämt - Sie bekommen Ihren Schrank
jetzt da oben auf der Treppe, damit die andern nicht mehr wie nötig
mit Ihnen in Berührung kommen. Wer so lügt und trügt wie Sie, muß
sich auch darauf gefaßt machen, daß man ihn danach behandelt.
Ellen lachte, um ihre Wut zu verbergen, und machte ihr
hochmütiges Gesicht. Nachher schrieb sie mit Riesenbuchstaben
auf die Innenseite der Schranktür:
Ich habe nie das Knie gebogen - den stolzen Nacken nie gebeugt.
17. Februar 1885.
Das brachte ihr wieder einen Tag Arrest ein. Und so ging es nun mit
allem; sie war in Acht und Bann getan, jede von den andern, die
sich noch mit ihr sehen ließ, fiel in Ungnade. Aber sie nahm den
Fehdehandschuh auf, beging bei jedem Anlaß die größtmöglichen
Ungezogenheiten, nahm die Strafe lachend hin und überbot sie
durch noch ärgeres Benehmen. Im Schlafsaal gab es fast jeden Tag
Skandal. Wenn Ellen sich Wasser holte, balancierte sie die
blecherne Waschschüssel auf dem Kopf und behauptete, sie könnte
kein Blech anfassen. Beim Mundspülen gurgelte sie nur in Melodien
und sagte, es käme ganz von selber, sie könnte es nicht lassen.
Und wenn alle im Bett lagen, fing sie an zu heulen wie ein wildes
Tier in langgezogenen Tönen die halbe Nacht hindurch, so daß
niemand schlafen konnte.
Ellen, sei ruhig, schrie die Erste, die Aufsicht führen mußte.
Mein Gott, ich bin so traurig, du kannst mir doch nicht verbieten, zu
weinen, und sie heulte weiter. Die andern kamen um vor Lachen,
und die Erste war machtlos dagegen. Sie konnte nur anzeigen,
immer wieder anzeigen, und das war Ellen jetzt ganz gleichgültig,
sie lebte in einem förmlichen Rausch von Auflehnung. Ein paarmal
ging sie zur Pröpstin, um sich selbst anzuzeigen, wenn sie fand,
daß man zu nachsichtig gegen sie war.
Miß Collins hat wohl vergessen zu melden, daß ich gestern in der
Stunde gelacht habe.
Die Pröpstin geriet außer sich vor Zorn und verbot ihr schließlich,
das Zimmer überhaupt noch zu betreten.
Aber manchmal fühlte Ellen sich auch todunglücklich - sie stand
jetzt wirklich ganz allein, selbst Editha wollte nichts mehr von ihr
wissen, hatte sich immer mehr von ihr zurückgezogen und ging nur
noch mit einer früheren Freundin, die Ellen nicht leiden konnte. Sie
ballte heimlich die Hände, wenn sie die beiden zusammen sah, und
ihre Dichtungen wurden immer verzweifelter: draußen heulte der
Sturm, Eulen schrien in finstrer Nacht - alle schliefen, nur sie allein
wachte mit ihrem zerrissenen Herzen, in dem die Leidenschaft
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