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von Liebe drin stand. Es war nicht so einfach, eins zu bekommen,
denn das Taschengeld wurde ihr regelmäßig für Strafen abgezogen,
und alle Einkäufe gingen durch die Hand der Vorsteherin.
Ellen zerbrach sich nicht lange den Kopf darüber, sie borgte die
kleine Summe zusammen, obgleich Geldleihen streng verboten war,
und überredete eine von den letzten Neuen, das Buch auf ihren
Namen kommen zu lassen. Es war eine Sammlung von 450
Gedichten.
Dann lag es eine Nacht unter ihrem Kopfkissen, und sie dachte in
fieberhafter Seligkeit daran, wie Editha es morgen an ihrem Platz
finden würde.
Als Ellen vor der ersten Stunde ihre Bücher zusammensuchte,
legten sich plötzlich zwei Hände um sie und es ging wie ein
Feuerstrom durch ihr Herz: Editha küßte sie auf den Mund. Das
war lieb von dir, kleine Ellen, ich hab' mich so gefreut.
In der Arbeitsstunde um Mittag fehlten die beiden Unzertrennlichen.
Zufällig kam die Klassenlehrerin herein und fragte nach ihnen, aber
niemand hatte sie gesehen. Mademoiselle geriet in Aufregung,
suchte und fragte durchs ganze Haus. Um Gottes willen, wo
konnten die beiden sein, es war ihnen ja alles zuzutrauen. Die
ganze Klasse mußte mitsuchen und es entstand ein förmlicher
Tumult. Endlich entdeckte man sie oben im Schlafsaal der Kleinen,
auf zwei der entlegensten Betten lagen sie und lasen sich Gedichte
vor. Sie machten nicht einmal Miene aufzustehen und wollten sich
halb totlachen, als die Mademoiselle wutbleich vor ihnen auftauchte.
Dann wurden sie in die Klasse. hinuntergeschickt. Das Buch, in dem
sie gelesen hatten, nahm die Lehrerin an sich und ging damit zur
Pröpstin. Die alte Dame unterzog es einer genauen Prüfung,
während sie sich den ganzen Vorfall berichten ließ. Auf dem ersten
Blatt stand eine lange Widmung in Versen von Ellens Hand. Wie
kam Ellen zu dem Buch, das gestern erst eine andre bestellt hatte?
Nun folgte ein Verhör auf das andre, nur Ellen wurde nicht
vorgerufen.
Statt dessen erschien die Vorsteherin nach Tisch selbst in der
Klasse, um sie vor allen andern niederzuschmettern. Sie war in
großer Toilette, weil sie nachmittags an Hof gehen wollte, die lange
Seidenschleppe knisterte wie eine zornige, schwarze Schlange
hinter ihr her.
Ellen stand da, beide Hände in den Schürzenlatz gesteckt und sah
ihr gerade in die Augen. Sie wollte zeigen, daß sie sich nicht
fürchtete, während die alte Dame mit harten, zischenden Worten auf
sie einsprach:
Mit dir, Ellen Olestjerne, werde ich von jetzt an nicht mehr unter
vier Augen reden, denn du verdienst diese Rücksicht nicht mehr. Du
hast meine Geduld nun bald ein Jahr lang auf eine harte Probe
gestellt; ich will jetzt nicht davon reden, daß du dich von Anfang an
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