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sehe, daß in Milde mit dir nicht auszukommen ist, so gibt es noch
andere Mittel.
Mein liebes Kind - die Frau Pröpstin hat uns wieder geschrieben,
daß Du sehr eigensinnig bist und Dich mit den anderen Mädchen
schlecht verträgst. Wirst Du denn nie aufhören uns immer neuen
Kummer zu machen? Ich habe die Frau Pröpstin gebeten, Dich in
strenge Zucht zu nehmen, und wir verlangen von Dir, daß Du Dir
jetzt endlich Mühe gibst, anders zu werden. Mehr will ich heute nicht
sagen, ich bete täglich zu Gott, daß er Deinen Sinn ändern möge.
Die Geschwister lassen grüßen.
Deine Mutter.
Geliebtes, vielen Dank für Deinen Brief. Es ist schrecklich öde ohne
Dich. In der Schule ziehe ich mich immer mehr zurück und gehe viel
allein spazieren. Nachmittags dichte ich gewöhnlich.
Dein schwarz und gelber Vogel ist gestorben, aber sei nicht traurig,
ich will Dir mein anderes Männchen schenken. Ich habe zwei
Photographien von Geerd gekriegt, aber Mama erlaubt nicht, daß
ich Dir eine schicke. Jetzt weiß ich nichts mehr. Eure Briefe werden
ja auch immer gelesen und da kann man nichts Ordentliches
schreiben.
Dein Detlev.
A
, Juni 1885
-... morgen darf ich mit den D.'s und ihrer Mutter in die Stadt, da
kann ich heimlich einen Brief einstecken und schicke ihn an Jens
Ketelsen, der ihn Dir in der Schule geben soll. - Gott, Detlev, Du
machst Dir gar keinen Begriff davon, wie schrecklich es hier ist. Man
ist eingesperrt wie im Zuchthaus und kommt gar nicht heraus, außer
bei dem langweiligen Spaziergang, wo man in Reih und Glied geht
und vor jedem Hofwagen knicksen muß.
Sonst immer nur lernen, den ganzen Tag, die Fleißigen lernen
sogar auch bei der Promenade und im Bett. Ich bin schon sehr oft
hereingefallen, gleich in der ersten Zeit, weil ich eine andre
geohrfeigt hatte und die Treppe herunterrutschte. Dann waren wir
neulich im Garten und haben Stachelbeeren gerappst. Nun dürfen
wir in der Freistunde nicht mehr hinunter und kriegen ins Zeugnis,
daß wir gestohlen haben. Und so weiter... Übrigens hab' ich jetzt
eine Flamme, sie heißt Editha und ist bei weitem die Hübscheste.
Ich schwärme sehr für sie und habe schon viele Gedichte auf sie
gemacht. - Hoffentlich komme ich Michaelis in die erste Klasse,
dann sind wir immer zusammen. Leider geht sie nächste Ostern
schon ab. Ach Du, ich weiß nicht, wie ich es hier noch so lange
aushalten soll und dann noch ein ganzes Jahr. Die Pröpstin kann
mich nicht ausstehen, gerade wie Mama, und sie können alle nicht
begreifen, daß man toben muß, wenn man vergnügt ist. Wir dürfen
uns hier nur 'sittsam und anständig bewegen'.
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